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2 (1890)
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Industriellen bereits aus der Äufserung des Herrn Trow zuDarlington, eines der angesehensten Gewerkvereinsführer, ent-nehmen können, welcherfast mit cynischer Offenheit es alsdas mit äufserster Konsequenz verfolgte Ziel der Arbeiter-organisationen bezeichnete, mehr und mehr von dem Gewinneder Arbeitgebei' für die Arbeiter zu erlangen" J .

Aber der Gegensatz beider ist ein wirtschaftlicher, d. h.nicht derart, dafs das Ziel des Kampfes Vernichtung desGegners ist. Beide Seiten sind von einander abhängig undkönnen, ohne sich selbst zu schädigen, in der Bekämpfungdes Gegners nicht so weit gehen, dafs sie seine Daseins-bedingungen gefährden. Das Minimum, das der Arbeitgeberdem Arbeiter gewähren rnufs, ist einleuchtend. Er ist ge-zwungen, ihn am Leben zu erhalten und ihn in die Lagesetzen, sich zu l'eproduzieren. Wo die Löhne nahe diesemMinimum stehen, richten sie sich nach den Produktionskostender Arbeit als eines nahezu unbeschränkt vorhandenen, be-liebig zu ergänzenden Produktionsmittels. Tritt dagegen derArbeiter als Warenverkäufer auf, was allein durch Verbündungund damit eintretende Möglichkeit der Zurückhaltung seinesAngebots möglich ist, so wird ihm, wie gewöhnlich demVerkäufer, aufser den Produktionskosten der Ware noch einMehr zu Teil. Das erstere war der Fall in jenem frühestenLebensalter der Grofsindustrie, welches der Name Ricardosbezeichnet. Im Laufe des Jahrhunderts vollzog sich danneine Hebung der Löhne und Lebenshaltung des Arbeiters,parallel gehend mit der Entwicklung seiner gewerkschaft-lichen Organisierung. Im Laufe jener Kämpfe, welche nun-

1 Vergl. Berliner Volksblatt vom 26. 'November 1889 und dieBe-richte der von industriellen und wirtschaftlichen Vereinen nach Englandentsendeten Kommission zur Untersuchung der dortigen Arbeiterverhält-nisse". Berlin 1890.