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2 (1890)
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Spinners mit der des ausländischen, d. h. die durchschnitt-liche Personenzahl, welche an den Spindeln beschäftigt ist,so kommt in Frankreich eine Person auf 14, in Rufslandeine auf 28, in Preufsen eine auf 37, in England eine auf74 Spindeln. Jedoch giebt es in meinem Bezirke genugSpinnereien, in denen 2200 Spindeln von einem Spinner undzwei Gehülfen besorgt werden. Vor kurzem erzählte mirein englischer Geschäftsführer aus einer Fabrik in Oldenburg ,dafs dort bei einer Arbeitszeit von 5'/2 morgens bis 8 UhrAbends und unter englischen Aufsehern dieselbe Masse Ar-beit verrichtet würde wie in England bei einer Arbeitszeitvon 6 Uhr früh bis 6 Uhr Abends. Unter deutschen Auf-sehern dagegen sei die Produktion geringer. Die Löhnewaren zum Teil 50 °/o niedriger als in England , aber die Zahlder Hände im Verhältnis zu der Maschinerie war bei weitemgröfser." In ähnlicherWeise erhalten die deutschen Kattun-drucker etwa nur 1 U bis 1 /a des Lohnes, der in Massachusetts bezahlt wird; der letztere beträgt 4 Dollars 50 Cents täglich.Trotzdem fällt für den dortigen Arbeitgeber dieser bedeutendeLohnsatz wenig in das Gewicht, da ein Drucker (mit einemGehülfen) einer täglichen Hervorbringung von 20000 Yards ent-spricht. Wird so die Höhe des Lohnes innerhalb gewisserGrenzen gleichgültig, so ist in Deutschland bei der weit ge-ringeren Produktion pro Arbeiter das geringste Schwanken desLohnes von bedeutendem Einflufs auf die Gewinne. Selbst-verständlich ist es, dafs die in der Baumwollenindustrie beob-achtete Verbilligung der Arbeit bei Verteuerung des Arbeitersnicht überall, sondern nur in andern ebenfalls weit fort-geschrittenen Industrien, vielleicht nirgends gleich rein wieder-gefunden wird. Aber es kommt auf die Tendenz der grofs-industriellen Entwicklung in Beziehung auf die Lage der Ar-beit an.