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2 (1890)
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saniere Wirkung als die Aufwärtsbewegung der Löhne. Hebtdie letztere die physische Lebenshaltung, insbesondere durch Ver-besserung der Nahrung, so erhöht die erstere den geistigen undsittlichen Stand des Arbeiters. Kurze Arbeitszeit bedeutet nichtweniger Arbeit. In Rufsland beginnen die Landleute, wenn siefür sich selbst arbeiten, im Sommer um 2 Uhr morgens undbeenden um 9 Uhr abends ihre Arbeit, was nach Abzug von2 bis 3stündiger Pause 16 bis 17 Stunden Arbeitszeit aus-macht. Trotzdem versichern berufene Beobachter, dafs einenglischer Arbeiter bei 10 stündiger Arbeitszeit soviel als zweiRussen in 16 bis 17 stündiger verrichten würde 1 . Ähnlichesgilt innerhalb Englands selbst. Die Bergleute in Südwalesarbeiten täglich 12 Stunden, die in Northumberland nichtmehr als 7, wobei zu bemerken ist, dafs letztere in doppelterSchicht beschäftigt sind. Die Produktionskosten sind, wie dasParlamentsmitglied Elliot feststellt, in beiden Bezirken gleich,eher in Südwales höher 1 .

Von Wichtigkeit ist das Umsichgreifen der Stücklöhnung.Die sogenannte Neunstundenbewegung, welche Ende der50er Jahre von den englischen Gewerkvereinen ausging, trafdeshalb auf nicht sehr starken Widerstand der Arbeitgeber,weil bereits damals die wichtigsten englischen Industrien zurStücklöhnung übergegangen waren. Bereits in Mitte der70er Jahre wurde, wie Mundella feststellte, von der englischenAusfuhr im Werte von 240 000 000 £ zum mindesten 90 °/ogegen Stücklohn gefertigt. Dort aber, wo Stücklöhnung herrscht,ist Verkürzung der Arbeitszeit bei Steigerung der Arbeitsleistung-Interesse des Arbeitgebers. In der That hat der neunstündigeArbeitstag, wie er in den grofsen englischen Industrien heute

1 Angeführt von Brassey inWork and Wages". Vergl. auch fol-gendes Kapitel, Abschnitt 3.