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2 (1890)
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Das gleiche gilt von der Arbeitszeit. Abgesehen davon,dafs auch hier plötzliche Veränderungen zu Müfsiggang undAusschweifung führen, so hat eine allmählich eintretende Ver-kürzung der Arbeitszeit, wie sie heute bei den fortgeschrittenstenKulturnationen sich vollzieht, eine ähnliche "Wirkung wie dieAufwärtsbewegung der Löhne. Vor allem kann hier nichtgenug Nachdruck auf eine Erfahrung gelegt werden, die sichaus der Sterblichkeitsstatistik der Vereinigten Maschinenbauerergiebt, und von der Professor Brentano auf einer Reise nachEngland im März 1890 Kenntnis genommen hat. Die Ma-schinenbauer zahlen Begräbnisgelder beim Tode eines Mit-gliedes und seiner Gattin. Seit Dezennien veröffentlichen siemit Rücksicht hierauf in ihrem Jahresberichte das Durch-schnittsalter der gestorbenen Männer und ihrer gestorbenenFrauen. Nach dem Jahresbericht von 1871 betrag das derMänner 38V4, das der Frauen 37bv Jahr. Im Jahre 1872erlangten die Maschinenbauer die Abkürzung des Arbeitstagsauf 9 Stunden. Seitdem hat sich das Durchschnittsalter dergestorbenen Männer konstant gehoben. Nach dem Jahres-bericht von 1889 betrug es 48 x /4. Ein Teil dieser Hebungist unzweifelhaft den allgemeinen sanitären Verbesserungenzu danken; aber höchstens die Hälfte; die andere Hälftekommt auf die Abkürzung des Arbeitstages. Während dasDurchschnittsalter der gestorbenen Männer um 10 Jahre stieg,stieg nämlich das der Frauen nur um die Hälfte, von 3 7 1 /Aauf 43. Für die älteren Arbeiter, die nunmehr um eineStunde weniger arbeiteten, bedeutete dies also eine Ver-längerung des Lebens um 5 Jahre; für die Volkswirtschaftbedeutete es eine Verbesserung des Verhältnisses der improduktionsfähigen Alter stehenden Personen zu dem nichtproduktionsfähigen Kindes- und Jugendalter.

Aber die Kürzung der Arbeitszeit hat noch eine bedeut-