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2 (1890)
Seite
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dischen Arbeiter anschaulich zu machen, einmal aus Sachsendiejenigen Lebensmittel kommen lassen, welche eine gut, einemittel und eine schlecht bezahlte Arbeiterfamilie bestimmterKopfzahl die Woche verbrauchte. Schon die der ersten Familieseien weit unter dem Durchschnitt dessen gewesen, an wasder englische Arbeiter gewöhnt sei; die der zweiten unddritten aber würde er nicht anrühren. Auch bei Gelegenheitdes jüngsten Socialistenkongresses verwunderten sich die eng-lischen Arbeiter über die niedere Lebenshaltung sogar ihrerPariser Genossen. Fleisch äfsen sie wenig; das Brod aber,das ihre Hauptnahrung ausmache, sei von schlechterer Be-schaffenheit als das englische.

Über den Wert der besseren Lebenshaltung, auf welcherdie Vorzüglichkeit des englischen Arbeiters beruhe, stimmendie meisten Nationalökonomen überein. So führt Mill inseiner Nationalökonomie die deutschen Quellen entstammendeThatsache an, dafs zwei Mäher in Middlessex an einem Tageetwa so viel mähen als sechs russische Leibeigene; trotzdemdie Lebensbedürfnisse der Bussen im Vergleich mit denen derEngländer aufserordentlich gering seien, beliefen sieh die Kostendes Mähens einer bestimmten Fläche für den englischen Farmernur auf 1 /s Kopeken, den russischen Grundbesitzer dagegen auf3 bis 4 Kopeken. Prof. Fawcett bemerkt mit Kecht, dafs dieIlungerlöhne, welche vielfach der Tagelöhner empfängt, ebensounwirtschaftlich sind, als wenn man der Ersparnis halber einnur halbgefüttertes Pferd zur Landarbeit verwenden wollte 1 .

1 Für die Allgemeinheit ist die Erhöhung der physischen Lage desArbeiterstandes schon um deswillen vom rein wirtschaftlichen Standpunktaus ein Gewinn, als dadurch das Verhältnis der in produktionsfähigemAlter stehenden Personen gegenüber dem nicht produktionsfähigen Kindes-und Jugendalter zunimmt. In England sind unter tausend Personen bei-nahe doppelt so viel im Alter von 50 zu 60 Jahren als in Rufsland.