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2 (1890)
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möglich. Infolge dessen war man dort zum Grofsbetriebeüberzugehen gezwungen. Eine Uhrenfabrik dieser Art,welche 420 Leute beschäftigt, fertigt täglicli 1500 Uhren aufGrund aufserordentlich ausgebildeter Maschinerie, weitgehen-der Arbeitsteilung und eines die menschliche Arbeitskraft aufdas äufserste ausnutzenden Arbeitsplanes. Der Rohstoff kommtin der Gestalt von Stahl- und Messingplatten in die Fabrikund verlälst dieselbe in der Gestalt von Uhren in seiden-ausgeschlagenen Pappschachteln. Jede Uhr enthält 58 ein-zelne Teile, welche 870 verschiedene Prozesse durchmachen.Die Herstellung der Räder, Schrauben, Bolzen, Federn, allesgeschieht durch Maschinen, welche fortwährend Vervollkomm-nungen erfahren. Heute wird z. B. die Herstellung der täg-lich zu verfertigenden 1500 Federn durch zwei Maschinenund zwei Arbeiter besorgt, während vor zwei Jahren noch12 Arbeiter dazu notwendig waren. Die Arbeit ist in hohemGrade eine gelernte, wie es die Arbeit des SchwarzwälderHausindustriellen in ihrer Art auch ist; jedoch ist die Fertig-keit, welche erfordert wird, hier und dort weit verschieden.Der amerikanische Arbeiter hat mit gröfster Genauigkeit eineeinzelne Bewegung der Maschine zu überwachen, währendder andere den ganzen oder gröfseren Teil des Produktions-prozesses der Reihe nach selber vornimmt. Die Löhne derAmerikaner, welche durchweg durch Stückarbeit verdientwerden, sind etwa vierfach so hoch als die in der deutschenHausindustrie gezahlten. Trotzdem sind die Kosten der Arbeitin der letzteren höher als in der amerikanischen Fabrik, derenErzeugnis bei gleicher Qualität billiger ist. Für den amerika-nischen Unternehmer kommt es nämlich kaum darauf an, obeine Arbeiterin 9 oder 10 Dollars die Woche verdient, wenn sie

imstande ist, täglich den Rand in 1500 Uhren zu befestigen,

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