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2 (1890)
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während die geringste Lohnerhöhung den Gewinn des Arbeit-gebers der deutschen Hausindustrie gefährdet.

Für dieses Fortschreiten der grofsindustriellen Betriebs-weise parallel mit der Hebung der Lebenshaltung des Arbeitersbietet die englische Baumwollenindustrie ein allgemeines Bei-spiel 1 . In den drei Jahrzehnten von 18561885 hat sichdie Zahl der mit Baumwollenspinnerei und -Weberei beschäf-tigten Fabriken kaum vergröfsert (von 2210 auf 2635). Dagegenhat sich die in denselben angewandte Maschinerie in jenerZeit bedeutend vermehrt, d. h. die Ausdehnung der Industrieging mehr durch Vergröfserung der einzelnen als durch Ver-mehrung der Zahl der Betriebe vor sich. Die Zahl derSpindeln hat sich von 28 010 217 auf 44348 921, die derWebstühle von 298847 auf 560955 gehoben. Zudem gehenheute Spindeln wie Webstühle weit schneller als vor 30 Jahren,sodafs die Gesamtproduktion jedenfalls in noch stärkerem Ver-hältnis gewachsen ist. Dem gegenüber hat sich die Zahl derin der Baumwollenindustrie beschäftigten Arbeiter nur von379329 auf 504069 vermehrt; auf eine Fabrik kamen 1856durchschnittlich 170, 1885 dagegen 190 Arbeiter. Es ergiebtsich hieraus unter Berücksichtigung der stärkeren Zunahmeder Maschinerie, dafs die Bedeutung des Arbeitslohnes in denProduktionskosten geringer geworden ist, sodafs die Erhöhungder Löhne, die sich in jenen Jahren vollzogen hat, mit Ver-billigung der Arbeit nicht unverträglich scheint.

Dafs dies in der That der Fall war, beweist die in ver-schiedenen Grofsindustrien innerhalb der letzten 20 Jahreeingetretene Steigerung des Wochenverdienstes der Arbeiter,obgleich die Stücklöhne oft in noch stärkerem Verhältnis

1 Die Zahlen für 1856 sind einem Bericht des Elijah Helm vor derManchester Statistical society 1868, die für 1885 dem Statistical Abstractfor the United Kingdom 1888 entnommen.