— 285 —
durch welche man in den Augen der Unparteiischen sich insUnrecht setzte.
Stehen sich Arbeitgeher aber und Arbeiter als selbstän-dige wirtschaftliche Mächte gegenüber, so sind die Folgendieses Zustandes doppelte: einmal gesellschaftliche und so-dann wirtschaftliche. Beide Seiten können sich nun als selb-ständige Bürger auf dem Boden eines freien Staates begegnen.Die Gesellschaft, jene durch Sitten und Vorstellungen ver-bundene Gemeinschaft, öffnet sich nun dem Arbeiter, der ihrbisher feindlich gegenüber gestanden hat. In gleicher Weisethut sich der Staat auf: der Arbeiter wird zur politischenMacht. Beides haben wir oben geschildert.
Hier interessieren uns die wirtschaftlichen Folgen. So-bald die Arbeitgeber sehen, dafs die Arbeiter die Macht ha-ben, vernünftige Forderungen, wenn nötig, auf dem Wegedes Kampfes durchzusetzen, werden sie freiwillig nachgeben,ebenso wie die Arbeiter unmögliches zu fordern oder not-wendigem sich zu widersetzen aufhören, aus Furcht, durchNiederlagen ihre Vereine zu schwächen.
Beides setzt Organisation der Arbeiter voraus. So hatman in England wiederholt die Erfahrung gemacht, dafs Lohn-kämpfe dann eintraten, wenn die Gewerkvereine erschlafften,und die Machtverhältnisse infolgedessen unklar wurden. Sobehaupten z. B. die Maurer, dafs Arbeitseinstellungen, diefrüher bei ihnen sehr häufig waren, mit zunehmender Straff-heit ihres Gewerkvereins seltener wurden. Eine ähnlicheErfahrung haben zahlreiche Arbeiter gemacht. An sich istdies selbstverständlich; denn die Arbeitgeber werden sichnatürlich nicht leicht auf einen Kampf einlassen, wenn siewissen, dafs der Widerstand ein starker sein wird. Anderer-seits werden die Arbeiter eher leere als gefüllte Kassen aufdas Spiel setzen, eher Hunderte als Tausende oder gar Mil-