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lionen. Je gröfser und fester gegründet der Gewerkverein ist,eine desto ernstere und gewichtigere Frage wird für ihn derLohnkampf.
Aus diesen Gesichtspunkten haben beide Seiten einInteresse daran, ihren Gegensatz, sobald sie ihn als rein wirt-schaftlichen auffassen, auf die einfachste und wenigst kost-spielige Art zur Entscheidung zu bringen.
Hören wir die Meinung des Herrn Maudsley, eines jenerArbeiterführer, die neben den gröfsten Kapitalisten Manchestersdie mächtigsten Männer- in Lancashire sind und denen vieleTausende folgen: „Meine Ansicht ist, dafs der Lohn des Ar-beiters das sein sollte, was er in ordnungsmäfsigem und ge-setzlichem Kampfe das Kapital zu bezahlen zwingen kann.Man hat eingewendet, dafs dies zu einem fortwährendenKriegszustande in der Industrie führen müsse. Wenn diesder Fall ist, so sind daran allein die Kapitalisten schuld.Wenn sie von dem Piedestal herabsteigen, auf dem die Mehr-zahl noch steht, und sich einfach als Kaufleute betrachten,die sich auf dem Markt befinden, um den Preis, zu dem dieArbeit käuflich ist, festzustellen, und sie das gleiche Rechtder Nachforschung, das sie selbst beanspruchen und ausüben,den Arbeitern zugestehen, — — so werden wir mit Arbeits-ausständen wenig zu thun haben" 1 — Worte, welche deneigentümlich berühren, der von Arbeitern und Arbeiterführerntäglich zu hören gewohnt ist, dafs der Staat alles und sienichts für sich selbst thun sollen.
Sobald beide Parteien nicht mehr gegenseitig von derVoraussetzung des bösen Willens ausgehen, erscheint zunächsteine grofse Anzahl von Streitigkeiten, die bisher zu den er-bittertsten Kämpfen geführt haben, zwecklos. Sir Rupert
1 Industrial remuneration Conference S. 163. Cassell & Co. 1885.
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