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2 (1890)
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so wird bei umgekehrter Marktlage die Grundlage der Be-rechnung der Lohnhöhe zu ihren Gunsten geändert. Es äui'sertsich die Veränderung des Machtverhältnisses in einer Stei-gerung des Lohns auf Kosten des Gewinns. Daher auch dievielen Bezugnahmen auf die in derselben Industrie ander-wärts herrschenden Lohnverhältnisse. Wenn z. B. die Löhnein der benachbarten Grafschaft höher sind, so verschiebensich die Machtverhältnisse damit zu Gunsten der Arbeiter.Das umgekehrte gilt von den Arbeitgebern. Hieraus aberentspringt eine Tendenz, die Löhne innerhalb einer bestimmtenIndustrie einander anzunähern, wie ja in gewissen Gewerbendie Löhne für ganz England in der That heute einheitlichfestgesetzt werden. So berufen sich Juli 1877 die Arbeit-geber von Northumberland darauf, dal's in allen anderen Ge-bieten der Kohlenindustrie länger gearbeitet und geringereLöhne gezahlt würden. Die Arbeiter wiesen demgegenüberdarauf hin, dafs sie entsprechend mehr leisteten, auch derPreis der von ihnen geförderten Kohle ein höherer sei, sodafs ihre Arbeitgeber in besserer Lage als ihre Konkurrentenwären. Lord Herschell, der damalige Schiedsrichter, sah diesenBeweis als erbracht an, worauf er den Antrag der Arbeitgeberabwies, ein Entscheid, der wie gesagt, nicht Bestand hatte.

Indem der Schiedsrichter bei seinem Spruche die Macht-verhältnisse, wie sie die Marktlage schafft, zu Grunde legt,gelangt er und zwar im beiderseitigen Interesse von Arbeit-geber und Arbeiter auch zur Berücksichtigung des Standesder betreffenden Industrie auf dem Weltmarkt. Gestattetnämlich die internationale Konkurrenz keine Lohnerhöhungoder erheischt sie eine Herabsetzung des Lohnes, so könnendie Arbeitgeber die Arbeiter eher entbehren als umgekehrt.Es bedeutet dies also eine Verstärkung des Machtverhältnissesder Arbeitgeber gegenüber den Arbeitern, während eine glück-