Druckschrift 
2 (1890)
Seite
364
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zielen ist. Z. B. weigern sich vor Lord Herschell 1876 dieArbeiter, April 1871 als Normalmonat anzuerkennen, da da-mals die Ostsee schon offen und daher die Kohlenpreise ver-hältnismäfsig hoch gewesen seien. Wie der Schiedsrichterfeststellte, bot in der That Januar 1871 eine weit günstigereGrundlage für die Arbeiter; man half sich damit, dafs, um zueinem beiderseitig anerkannten Normalverhältnis zu gelangen,von einer längeren Zeit der Durchschnitt genommen wurde.

2. Es ist jedoch unmöglich, das Verhältnis zwischenLohn und Gewinn als ein gleichbleibendes anzusehen. Wiekönnte dies insbesondere der englische Arbeiter zugeben,dessen Geschichte in einer Verschiebung dieses Verhältnisseszu seinen Gunsten besteht? Vielmehr sucht er den Satz auf-zustellen, dafs sein Leben und seine Arbeitsfähigkeit unterallen Umständen zu erhalten und die ihm durch die Geschichtegewordene Höhe der Lebenshaltung fortzugewähren sei, unab-hängig von Gewinn und Verlust der Industrie. Allein dieArbeitgeber sind weit entfernt, diesen Satz anzuerkennen, undes kommt vor, dafs sie ihm gegenüber auf die Überfüllungdes Arbeitsmarktes, d. h. das thatsächliehe Machtverhältnishinweisen, welches eine Herabdrüekung der bisherigen Lebens-haltung ermögliche. Damit hängt denn das Streben der Ar-beiter zusammen, namentlich durch Kürzung des normalenArbeitstags dem Vorhandensein von Beschäftigungslosen vor-zubeugen und so den Arbeitsmarkt zu ihren Gunsten zu ge-stalten. Mitunter unterstützen sie auch die Auswanderung,um nach Verminderung des Arbeitsangebots eine verlorenePosition wieder gewinnen zu können. Darauf beruht auch ihreneuerlich vielfach günstige Beurteilung der Kartelle.

3. Ganz ebenso wie von dem angenommenen Verhält-nisse des Lohns zu den Verkaufspreisen bei relativer Überfüllungdes Arbeitsmarkts zu Ungunsten der Arbeiter abgegangen wird,