Druckschrift 
2 (1890)
Seite
431
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sehen nicht wenige in den Gewerkvereinen Feinde, die sie be-kämpfen, und mit denen sie nur notgedrungen verhandeln.Noch ergeht sich nicht selten die Presse, so besonders dasOrgan des Kapitalismus, die Times, nicht anders als vor 20Jahren in Angriffen auf die Koalitionsfreiheit. Aber diewichtigsten englischen Industrien und in ihnen die geistighervorragenden Arbeitgeber stehen auf dem Boden rückhalt-loser Anerkennung der Gewerkvereine; im Vergleich mit denfrüheren Zuständen unaufhörlichen Kampfes erblicken sie inihnen den Faktor, welcher der englischen Industrie den Friedenwiederzugeben in der Lage ist. Wenn nun dieStrikeepidemie"auf dem Festlande sicher ihren Höhepunkt heute noch nichterreicht hat, da die Parteien dort für einen Fortschritt darüberhinaus noch nicht reif sind, so haben jene oben genanntenMänner recht, wenn sie in den englischen Gewerkvereinenund den darauf beruhenden Einigungseinrichtungen die Gewährder Konkurrenzfähigkeit Englands erblicken.

Diesen Gedanken drückt z. B. ein bei Tränt abgedruckterBrief eines Arbeitgebers der Eisenindustrie in folgender Weiseaus.Ich betrachte die Gewerkvereine als bewunderungswürdigeErziehungsanstalten der Arbeiter, in welchen sie bald ihrenketzerischen Ansichten über Arbeit und Kapital entwachsen.Wenn man sie dagegen von oben herab behandelt und inheftiger Weise schilt, dann werden sie wie manche vonihnen es leider thun die Arbeitgeber als ihre natürlichenFeinde betrachten, die man entsprechend behandeln mufs.Die jüngeren Arbeiter sind gewöhnlich gewaltthätige Bur-schen, aber ich sehe, wie sie unter Erziehung und Füh-rung der hervorragendsten Mitglieder der Gewerkvereine baldzur Minderheit werden; man sagt ihnen da klar und ein-dringlieh, dafs der alte Weg, Streitigkeiten mit den Arbeit-gebern auszumachen, der schlechteste ist, der überhaupt be-