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2 (1890)
Seite
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der Sieg der Mäfsigung zu verdanken. Sidney Buxton wiesdarauf liin, dafs ein Gewerkverein klugerweise nur dasverlangen dürfe, was er sicher sei, durchzusetzen; JohnBurns warnte wegen Kleinigkeiten den Streit zu entfachen;wenn die Docker das nächste Mal sich erhöben, müsse dieBedeutung des Zieles der öffentlichen Meinung klar und ver-ständlich sein. Für derartige Streitfragen minderer Bedeutungdürfte in Zukunft die von der Londoner Handelskammer inVorschlag gebrachte Einigungskammer vermittelnd eintreten 1 .

Die Organisierung der Dockarbeiter ist wie die der un-gelernten Arbeiter überhaupt von London ausgegangen. MitAusdehnung des Gewerkvereins auf die Mehrzahl der eng-lischen Häfen sind die Arbeitsbedingungen allgemein denLondoner angepafst worden, was zum Teil durch Kampf,nicht selten aber auch auf dem Wege der friedlichen Verhand-lung, so in Leith, vor sich ging. Damit hat aus der tiefstenSchicht der Gesellschaft eine wichtige und zahlreiche Klassesich losgelöst, um den fortgeschritteneren Arbeitern nachzu-folgen. Mögen die Endziele, an die man glaubt, teilweisenoch weitgehend socialistische Färbung besitzen: man hat denpraktischen Weg beschritten. Man verneint nicht mehr dasbestehende; vielmehr hofft man aus ihmSchritt für Schritt"dieBefreiung der Arbeit" zu verwirklichen. So tratennaheliegende Ziele an Stelle des Endziels; man kämpft umdenTanner". Hoffnungsfreudigkeit durchdringt die Massenund die Erfahrung, dafs die öffentliche Meinung nicht mehr

1 Die Kammer soll aus 12 Ausschüssen bestehen, je einer für einebestimmte Gruppe von Gewerben, z. B. Baugewerbe, Bekleidungsgewerbe,Schiffahrt u. s. w. Die Mitglieder sollen von den beteiligten Vereinen derArbeiter und Arbeitgeber gewählt werden. Kann ein Ausschufs zu keinemEntscheid kommen, so soll die Gesamtkammer angerufen werden. DieLondoner Gewerkvereine haben fast alle ihre Zustimmung erklärt.