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Jedoch erwies es sich bei den bestehenden Verhältnissenunmöglich, den Schiedsspruch durchzuführen. Die Mittels-leute nämlich, welche den grofsen Bekleidungsgeschäften desWestends und der City liefern, stehen unter einander inschärfster Konkurrenz, die von jenen zu äufserstem Druckauf die Preise benutzt wird. Dementsprechend wird die Ar-beit vielfach an Frauen vergeben, welche zu Hause arbeitenund die niedersten Löhne, oft nicht mehr als wenige Pencefür den Anzug, erhalten, wodurch jede vertragsmäfsige Re-gelung der Arbeit durchbrochen wird. Als daher Frühjahr1890 ein neuer Ausstand im Gange war, machte der Führerder Arbeitgeber, Marc Moses, welcher, wie er sagt, „die Ehrehatte, als ein richtiger Durchschnittsschweifstreiber in derPresse bezeichnet zu werden", den Vorschlag engster Ver-bündung zwischen den Vereinen der Arbeiter und der Arbeit-geber. In der That kamen beide Seiten überein, nur beiVereinsmitgliedern mehr zu arbeiten, bezw. nur solche anzu-stellen; die Arbeitgeber verpflichten sich ferner nur an solcheGeschäfte zu liefern, welche die in einer Liste festgesetztenPreise bezahlen und dadurch die Verkürzung der Arbeitszeitermöglichen. Unter einander aber sollen in Zukunft alle Strei-tigkeiten durch eine Einigungskammer ausgetragen werden.Wir sehen, wie auch hier alles auf den Grofsbetrieb hin-drängt, indem diese Übereinkunft Kampf gegen die kleinenund illoyalen Konkurrenten bedeutet. Ähnliches bezweckteauch der Ausstand der Londoner Schuhmacher, der stattfand,um die Errichtung von Werkstätten und das Verbot von ge-werblicher Arbeit in den Wohnräumen zu erzwingen.
Von besonderem Interesse sind die Versuche, die weib-liche Arbeit zu organisieren, welche ebenfalls mit der Be-wegung des Jahres 1889 zusammenhängen. Zwar bestandbereits seit 1874 die „Womens I'rovident League", welche