Bildung von Gewerkvereinen mit Versicherungszwecken ver-folgte. Diese Bewegung blieb jedoch auf enge Kreise be-schränkt, hauptsächlich wegen der Gleichgültigkeit, fast Feind-schaft der älteren Gewerkvereine. Wenn diese letzteren be-reits fürchteten, dafs die ungelernten Arbeiter nur auf Kostender gelernten ihre Lage verbessern könnten, so waren sienoch ablehnender gegen die Frauenarbeit. Es ist von jeherdas Bestreben der englischen Arbeiter und damit auch ihrerOrganisationen gewesen, die Frauen aus der Erwerbsarbeitauszuschliefsen, weil die Frau ins Haus gehöre. Wenn ihreKonkurrenz gegen die männliche Arbeit aufhöre, werde derLohn der Männer auch so hoch steigen, dafs die Mitarbeitder Frau zur Ernährung der Familie nicht mehr notwendigsei. Allein nur in der Bergwerksindustrie wurde dies Zielerreicht, indem der Staat die Beschäftigung von Frauen ver-bot. In andern Gewerben war der Ausschlufs der Frauen vonder Erwerbsarbeit aber nicht zu erlangen. Da kam man aufden Gedanken, die Frauen, deren Arbeit man nicht verhindernkönne, zu organisieren, um ihre Arbeitsbedingungen möglichstauf die Stufe derjenigen der Männer zu heben. Dadurchwürde einmal der Anreiz, Frauen statt Männer zu beschäftigen,wegfallen, unter allen Umständen aber die Herabdrückung derArbeitsbedingungen der Männer durch die Konkurrenz derFrauen verhindert werden. Daher denn der Beschlufs desGewerkvereinskongresses zu Dundee (1889), welcher Organi-sation der weiblichen Arbeit und ihre Unterstützung durchdie bestehenden Gewerkvereine fordert.
Auch die andere Seite der neuen Bewegung, Beteiligungvon Angehörigen der oberen Klassen, zeigt sich ganz besondersbei den Organisierungsversuchen der Frauen. In erster Linieist hier Lady Dilke zu nennen. Als der Kongrefs zu Dundee safs, veranstaltete sie daselbst Versammlungen mit dem Zweck,
v. Schulze-Ga evernitz, Zum soc. Frieden. II. 30