Druckschrift 
2 (1890)
Seite
475
Einzelbild herunterladen
 

475

Zukunft, so würden sie überhaupt nicht wirken können. Alleinoft dachte ich, wenn ich den einen oder anderen nach jederHinsicht hochgebildeten Mann mitunter mit bestrickenderLiebenswürdigkeit diese Beteuerungen äufsern hörte, wie mages denen ergehen, die ohne genauere Kenntnis der Interessenund der Arbeitsbedingungen der wirklichen Arbeiter und ihrerin diesen wurzelnden Anschauungen lediglich auf Grund solcherÄufserungen Gegenwart und Zukunft der Socialdemokratie inEngland beurteilen!

Die dritte neue Thatsache ist die Organisation der un-gelernten Arbeiter. Die alten Gewerkvereine hatten die-selben nicht nur vernachlässigt, sondern manche ihrer Mafs-regeln hatten sie bedrückt. Nicht nur dai's sie bei einemArbeitsstillstand keine Rücksicht auf die dadurch brodlos ge-wordenen Ungelernten genommen hatten, eine Reihe der Be-stimmungen, an denen sie notwendig festhalten, wie die Lehr-lingsbeschränkungen, werden von den Ungelernten als Beein-trächtigung ihrer Interessen empfunden. Da war nun dierevolutionäre Socialdemokratie, welche seit Jahrzehnten beiden Gewerkvereinen einzudringen versucht hatte. Nachdemsich dies als vergeblich erwiesen hatte, suchte sie unter denheftigsten Schmähungen auf diekleinen Bourgeois" den Fehler,den die alten Gewerkvereine mit ihrer Vernachlässigung derUngelernten begangen hatten, gegen sie auszunützen. Alleindiese Socialrevolutionäre hatten selbst nichts mit den Unge-lernten anzufangen gewufst, als in grofsen Aufzügen durch dieStrafsen zu ziehen und in Versammlungen unter freiem Himmeldie Besitzenden durch wilde Reden zu erschrecken. Da, imvorigen Jahr, fingen die ungelernten Arbeiter an, sich zuorganisieren und zwar auf Gewerkvereinsbasis. Die Bewegungdazu ging von ihnen selbst aus. Zuerst waren es die Gasarbeiter,welche sich organisierten und einen Sieg erfochten; dann