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„Auf der anderen Seite hat diese Anerkennung auf dieGewerkvereine eine psychologisch begreifliche Rückwirkung-geübt. Die so lange Geschmähten und Verfolgten geniefsenoffenbar mit Behagen die ihnen gewordene öffentliche Gunstund deren Vorteile. Sie sind äufserst vorsichtig, sie nichtwieder zu verscherzen, und dies zusammen mit ihren gleichzu erwähnenden wirtschaftlichen Interessen macht sie mehrals je zu den erbittertsten Gegnern einer socialen Revolution.
„Die zweite grosse Wandlung, die eingetreten ist, habeich schon erwähnt: Die Entstehung von socialdemokratischenSekten, nicht unter den Arbeitern, sondern den Gebildeten. Eswimmelt unter den Angehörigen der höheren Klassen von be-geisterten und sich selbst hingebenden Männern, die sich Social-demokraten nennen und es mehr oder weniger auch wirklich sind.Dabei welche Fülle von Nuancen, William Morris, CunninghameGraham , Hyndman, Champion, die Fabier, die Socialdemokratenunter der Geistlichkeit! Und jeder von ihnen, der da erzählt,dafs seine Anschauung im Wachsen sei, und dafs ihr die Zukunftgehöre, während er die Anhänger der Übrigen für minimal anZahl und Bedeutung hält. Ich habe dies successive von jedemunter ihnen, den ich kennen gelernt habe, gehört, und in dengedruckten Äusserungen eines jeden gelesen. Nicht als obdieselben in bewufster Unwahrhaftigkeit hätten renommierenwollen. Sie waren alle optima fide. Aber alle Menschen,die sich so für eine Idee aufopfern, sind notwendig Optimisten,und täuschten sie sich nicht über ihren Erfolg und ihre
tag ein. Für beides hat sich auch die Vertretung der liberalen undradikalen Vereine Londons, d. h. die offizielle Parteileitung des Londoner Liberalismus ausgesprochen, und es dürfte nur eine Frage der Zeit sein,bis auch die staatlichen Behörden nachgehen und der Staat damit dieGewerkvereinslöhne für die gewaltige Zahl der in seinem Dienste befind-lichen Arbeiter als Normallöhne und den Achtstundentag als Normal-arbeitstag anerkennt.