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2 (1890)
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S c h I u f s.

Vor einem Halbjahrhundert hat Carlyle die Demokratieals unabweisbare Tkatsache der Zukunft erklärt. Um denUmfang dieses Wortes zu ermessen, denke man nicht sowohlan politische Einrichtungen und setze es insbesondere nicht inGegensatz zur monarchischen Verfassung. Giebt es doch Repu-bliken, in denen thatsächlich der Geldsack allmächtig ist, unddie den arbeitenden Klassen keine Hoffnung, aufser in derRevolution, gewähren. Das Carlylesche Wort bezieht sichvielmehr auf einen Umschwung des Denkens und Fühlens.Nicht mehr das Dasein einzelner Bevorzugter, sondern dieHebung der Massen, d. h., da die grofsindustrielle Betriebs-form Voraussetzung dieser Entwicklung ist, die Hebung desArbeiterstandes erscheint als Zweck des socialen Daseins.In erster Linie verlangt man Sicherstellung des materiellenDaseins und Beteiligung der Arbeiter an den Gewinnen derIndustrie, deren ausschliefsliche Aneignung durch das Kapitalals Ungerechtigkeit empfunden wird. Aber diese Forderunggilt nur als Mittel für die geistige Hebung, die Ausgleichungder auf den Verschiedenheiten des Denkens und der Bildungberuhenden Klassenunterschiede und die ungehinderte, indivi-duelle Entwicklung eines Jeden. Je mehr diese Entwicklungfortschreitet, desto mehr gleitet der Schwerpunkt der Gesell-schaft in die Massen.