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2 (1890)
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Die neue Richtung ist entgegengesetzt der älteren National-ökonomie , welche Kapitalanhäufung als Zweck des gesell-schaftlichen Daseins setzte. Dagegen stimmt sie mit der Be-hauptung des Christentums überein, wonach jedem Menschenein schlechthin und mit allem irdischen unmefsbarer Wert zu-kommt. Wie sie ohne diese Annahme im Grunde unhaltbarist, so trägt sie auch darin das Wesen eines Glaubens, dafssie begeisternd den Menschen erfafst und den einzelnen, oftunter dem Opfer persönlichen Wohlseins, zu socialem Handelnantreibt. Wunderbare Erscheinung, eine solche Macht noch indem Jahrhundert Benthams und Ricardos.

Die Frage ist nun die: stehen jene Forderungen, welchedas Ergebnis unserer geistigen Entwicklung sind, mit deräufseren Entwicklung in Widerspruch? Sind sie vom Bodenund durch Weiterentwicklung des Bestehenden erreichbar?Die Herabdrückung des Arbeiters, welche die neu aufkommendeGrofsindustrie mit sich brachte, führte zuerst zu einer ver-neinenden Beantwortung dieser Frage. Dies war die Stellungder Chartisten, aber nicht minder die der klassischen National-ökonomie. Ihre Lehren fortbildend brachten Engels und Marxdiesen Gedanken in ein System. Die grofsindustrielle Ent-wicklung bedeute fortschreitende Herabdrückung der Arbeiterzum unterschiedslosen Proletariat, Häufung des Reichtums inwenigen Händen, Verschwinden der Mittelstände, Auftretender socialrevolutionären Partei.

Wie verhalten sich dieser Behauptung gegenüber dieThatsachen? Die eingehende Statistik des Board of Tradestellt für England das Gegenteil fest, womit der social-revolutionären Richtung der Boden entzogen wird. Einmalist es sicher, dafs sich die materielle Lage des Arbeiterswährend des verflossenen Halbjahrhunderts stetig gebessert hat.Diese oft hervorgehobene Thatsache hat der bekannte Sta-