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2 (1890)
Seite
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eines anderen Landes, auch die Nordamerikas , in dem Besitzderjenigen Bedingungen zu sehr, welche die friedliche undallmähliche, aber praktische Annäherung an das vorschwebendeIdeal ermöglichen 1 . Ihre Taktik ist damit eine gesetzlicheund friedliche geworden; die Mittel aber, welche sie benutzen,sind Organisation und Gesetzgebung.

Die gewerkvereinliche Organisation verfolgt, abgesehenvon dem Versicherungswesen, welches nur bei den gelerntenArbeitern, und da nicht ausnahmslos, mit ihr verbunden ist,durch Beschränkung des Arbeitsangebotes eine Verbesserungder Arbeitsbedingungen, z. B. Erhöhung der Löhne, Verkürzungder Arbeitszeit. In letzter Linie steht hier der Kampf. Aberje besser die Kräfte auf beiden Seiten organisiert werden,desto mehr wird man sich des gemeinsamen Interesses, derHochhaltung der nationalen Industrie, auf beiden Seitenbewufst, desto mehr sucht man Methoden der friedlichenSchlichtung von Arbeitsstreitigkeiten auf. So sehen wir diejungen Gewerkvereine der ungelernten Arbeiter schon heuteunter den Vordersten, welche für jene von uns beschriebenenEinigungseinrichtungen eintreten. Hieraus läfst sich fürdie Zukunft auf ein seltener werden jener gewerblichenKämpfe rechnen, eine Thatsache, die allerdings noch langedadurch verschleiert werden wird, dafs immer neue Klassenvon Arbeitern aus der unorganisierten Menge emporsteigenund die früheren Entwicklungsstufen ihrer fortgeschrittenerenGenossen erst heute durchmachen. Freilich scheinen dieKämpfe der Zukunft mit ihrer Abnahme an Zahl, ähnlich denKriegen, an Umfang zuzunehmen; sie ergreifen schon heuteoft zahlreiche Klassen von Arbeitern zugleich, wie dies bei demDockarbeiterausstande der Fall war; ja sie zeigen eine Nei-

1 Vergl. z. B. Labour Elector vom 5. Oktober 1889.