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Freie Meere! / Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
15
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Eine Epidemie von Konkursen bedroht diese Neuländer. ÄberSüdamerika braust der Sturm einer geschäftlichen Krisis, welchezahllose Existenzen von Schuldnern und Gläubigern vernichtet:die Ausfuhr von Waren und die Zufuhr von Kapitalien stockt,sobald der Brite aus Gründen seines politischen Interesses, dasmit Südamerika nichts gemein hat, das Räderwerk der Welt-wirtschaft zum Stillstand bringt. Die Volkswirtschaft der Ver-einigten Staaten wurde durch die englische Seesperre 1914kaumweniger erschüttert, als wenn sie selbst am Kriege beteiligt ge-wesen wäre". Zeugnis hierfür: die Schließung der Börsen, derRückgang der Warenausfuhr, die Einführung vonKriegssteuern".

Letzthin: Alle eigentlichen Küstenländer, deren städtische undwirtschaftliche Mittelpunkte unter den Kanonen der britischenFlotte liegen, sind unbedingte Vasallen der herrschenden Seemacht.Der Portugiese muß, wenn der Brite winkt, seine Knochen zuMarkte tragen für eine Sache, die ihn schlechthin nichts angeht.Selbst Italien ist außerstande, sich an irgendeiner politischen Kom-bination zu beteiligen, deren Spitze gegen England gerichtet wäre.

In viel höherem Maße als zu den Zeiten Napo-leons ist die Freiheit derMeere heute das letzte poli-tische Ziel aller Nicht-Briten.

Nur zwei Staaten aber sind unabhängig genug, sich zudiesem Menschheitsziele zu bekennen; denn nur sie besitzen diewirtschaftlichen Grundlagen, um dem Briten zur See als gleichzu gleich entgegenzutreten: die Vereinigten Staaten und Deutschland .

Die Vereinigten Staaten haben auf Grund ungeheurerFläche, riesiger Nohstofferzeugung und fast doppelt so großerBevölkerung das britische Mutterland endgültig überholt. Siesind heute die erste Wirtschaftsmacht der Welt, u. a. die größtenErzeuger von Edelmetall (Gold und Silber), Erdöl , Baumwolle,Stahl und Kohle. Im Besitze einer unübertroffenen maschinellenTechnik, könnten sie, wenn sie wollten, die britische Seemachtüberbieten. Aber sie sind stimmungsmäßig gegen Militarismusund Marinismus festgelegt ein koloniales Land starker Einzel-menschen, aber staatlicher Ohnmacht. Von dem Briten um-schmeichelt und geschickt bearbeitet, wird ihre öffentliche Meinungerst erwachen, wenn das von England groß gezogene gelbe Neu-england an die Tore der Neuen Welt selbst anklopfen wirdnicht das bescheidene China, sondern das erobernde und kriegs-gewohnte Japan. Dann wird Amerika unter ungünstigen Be-

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