Druckschrift 
Freie Meere! / Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
7
Einzelbild herunterladen
 

^^u Haag im Morizhaus, der bürgerlich vornehmen Residenzder Oranier, findet sich ein unvergeßliches Bild:Nieder-ländische Schiffe, eine englischeFregatte einbringend."Dieses Bild, wie all' jene lichtdurchflofsenen Seestücke, erinnert aneine Zeit, da die Seeherrschaft der Briten noch nicht unbestrittenfeststand. Ein Tromp durchfegte damals den Kanal einensymbolischen Besen am Topmast. Ein Nuyter erschien drohendin der Themsemündung. Ein Hugo Grotius fordertedie Frei-heit der Meere", d. h, die Gleichberechtigung Aller an der See,dieser Hochstraße der Völker. Mittagsstunden menschlicher Kultur!Im Hintergründe lag der siebzigjährige Freiheitskampf einer fasthoffnungslosen Minderheit mit dem weltumspannenden Despotis-mus. Glaubenseifer und Toleranz vaterländische Hingabe undvolle Entfaltung der Einzelkräfte oranisches Heldentum, kauf-männischer Wagemut und bürgerliche Freiheit hatten jenen Siegerfochten, den hohe Wissenschaft und höchste Kunst verherrlichten.Sieghaft durch Nacht und Not flammte Rembrandts deutschesteSeele gen Himmel.

Am 1650 besaß Holland den Welthandel. Die niederländischeHandelsflotte umfaßte an Tonnengehalt mehr als die Hälfte allereuropäischen Schiffahrt. Nachahmend wandten sich damals dieBlicke der ganzen Welt, auch Englands , jenem Lande zu,daskeine Wälder hat und doch die Schiffe der ganzen Welt baut".Der Große Kurfürst wie Friedrich Wilhelm I. von Preußenwurzelten geistig tief in den Niederlanden.

Aber die Größe der Niederlande brach an der harten Tat-sache des Krieges. Nachdem England die Bestrafung desGrotius verlangt und durch seinen Kronjuristen das Eigentuman den britischen Meeren bis zu den deutschen und amerikanischenKüsten für sich gefordert hatte, sprach esdurch die lautere Spracheder Kriegsschiffe".

Während die Holländer ihre Ostindienfahrer nur im Bedarfs-falle als Kriegsschiffe armierten, baute das bis dahin noch binnen-