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Freie Meere! / Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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ländische England Wollausfuhrland! die ersten eigentlichenKriegsschiffe. Diese Schiffe waren den Gegnern vor allem artil-leristisch überlegen. Mit ihnen hat England den Niederländerndie Navigationsakte aufgezwungen jenes Gesetz, welches Hol-lands Zwischenhandel vernichtete. Als Zeichen seiner Demütigungmußte Holland den englischen Schiffen den Flaggengruß zugestehen.Damals erklärte Cromwell: England dürfe es nichtdulden, daß ohne seine Genehmigung auf dem Ozeaneine andereFlagge erscheine als dieseine. Dieser Satz,der wie die ganze Cromwellsche Politik von den nachfolgendenMonarchen und Staatsmännern aufgenommen wurde, hat allebritische Politik, auch die gesamte britische Wirtschaftspolitikausgesprochen oder unausgesprochen beherrscht. Ich erinnerean Ad. Smiths Stellung zur Navigationsakte.

Der Sturz der Niederlande wurde dadurch beschleunigt, daßdieses Land nur Küste ohne Landmacht war und den Schutz einesstarken deutschen Hinterlandes entbehrte. Deutschland blieb trägerZuschauer des niederländischen Dramas, obgleich ihm der Oranierauf dem Reichstage von Worms dasres tua aZitur" hatte zu-rufen lassen, da am Niederrhein um die Herrschaft der Meeregekämpft werde.

Mit Erfolg haben später die Engländer die nächststarkeFestlandsmacht, damals Frankreich , gegen die Niederlande in dasFeuer geführt, bis diese einst so gefürchteten Gegner im 18. Jahr-hundert als geduldete Bundesgenossen Englands einem geschichts-losen Stilleben verfielen,verrentnern". England und Holland hießen damals dieSeemächte" nach dem witzigen Ausspruchdes Alten Fritz:Das englische Kriegsschiff mit der holländischenSchaluppe im Schlepptau."

Seit jenen Tagen führt der Brite den Dreizack des Neptun,der zugleich das Zepter der Welt ist.

Und das Reich der freien Amphitrite

Will er schließen wie sein eigen Äaus,"

So kennzeichnet Schillers Weitblick die letzte Ursache allen Welt-krieges seines und unseres Zeitalters. Diese Kriege richteten sichzunächst gegen Frankreich , als den gefährlichsten Mitbewerberum die See- und Weltherrschaft. Wenn überhaupt in demwechselvollen Gange der europäischen Politik von Erbfeindschaftdie Rede sein kann, dann erwuchs solche in dem fast zweihundert-jährigen Kampfe zwischen England und Frankreich .