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Freie Meere! / Gerhart von Schulze-Gaevernitz
Entstehung
Seite
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strophentheorie freilich anders, als ihr Arheber es sich vor-stellte einige Wahrheit zu gewinnen scheint. Kurz vor demKriege hatte die Neichsbank unter der genialen Leitung Äaven-steins die private Bankwelt in ihr Einflußbereich gebracht. Anterstaatlicher Führung geeint, in seiner Liquidität verbessert, hat dashochgetttrmte deutsche Kreditgebäude dem Kriege Trotz ge-boten. Das Vertrauen in das Zentralinstitut und letzthin in denStaat wurde nicht einen Augenblick erschüttert. Dieses Vertrauenleitete Depositen und Spargelder in Banken und Sparkassen, dieAmlaufsmittel in die Zirkulation zurück; gehortetes Gold floß indie Neichsbank. Neujahr 1915 betrug die Golddeckung der Noten46,8 der Diskontsatz der Reichsbank, der seit Kriegsbeginnniemals über 6 heraufgegangen war, nur 5 Von Äbersülleder Amlaufsmittel konnte dabei keine Rede sein angesichts desgewaltig gesteigerten Bedarfs. Die 4^ Milliarden Mark Kriegs-anleihe waren nur zu einem verschwindenden Betrage durch Be-leihung von Wertpapieren gegen Darlehenskassenscheine, also unterVermehrung von Amlaufsmitteln, gezeichnet. Diese Erfolge derfinanziellen Mobilmachung überstiegen selbst kühnste Erwartungen,und nicht zu Anrecht wurden die Leistungen desGeldmarschalls"Äavenstein denen des Feldmarschalls Äindenburg zur Seite gestellt.

Die deutsche Industrie ordnete sich rasch aufKeeresversorgungum und erhob sich gegen Neujahr 1915 bis zur Äöhe einerKriegs-konjunktur", welche die vorhandenen Arbeitskräfte aufschluckte. AnStelle der Arbeitslosigkeit trat vielfach der Mangel an gelerntenArbeitern. Diese Amordnung vollzog sich unter der Fürsorge halb-öffentlicher Organisationen. Der Kriegsausschuß der deutschen In-dustrie, die Kriegswollgesellschaft, Kriegsmetallgesellschaft, Kriegs-tabakzentrale u. a. sind in diesem Zusammenhang zu nennen.

Äierzu kam eine Belebung des landwirtschaftlichen Ge-bietes, in welches der Staat nur mit vorsichtiger Äand eingriff:Kriegsgetreidegesellschaft, Mehlstreckungsvorschriften, Beschränkungdes Branntweinkontingents usw. In letzter Linie schreckte dieRegierung vor Einführung des Getreidemonopols nicht zurück(1. Februar 1915), nachdem die große Mehrheit des Reichstagsschon Anfang Dezember 1914 sich dringlich dafür ausgesprochenhalte. Die Tätigkeit der Kommunen wurde stark erweitert undgriff auf neue Gebiete über: von Mieteinigungsämtern bis zurgärtnerischen Verwertung kommunalen Baulandes. Daneben ge-denken wir der reichen und vielgestaltigen Äilfstätigkeit der Vereine.

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