politischen Selbstbejahung, wird die deutsche Seele ihr Letztesund Tiefstes im Kunstwerk offenbaren. Wir, die Kämpfer vonheute, arbeiten dieser Feierstunde vor.
Aber unser Weg ist ein rauher. Der Sieg ist kein leichter,wie er — das wissen wir heute — gewesen wäre, wenn wir mitNußland und Frankreich allein zu tun gehabt hätten. JäherSiegesrausch wäre für Deutschland schlimmer gewesen als eineNiederlage. Wir danken es der Vorsehung, daß sie uns durchdie Briten eine unendlich schwere Prüfung auferlegt hat. DieserKampf gegen die Übermacht erneuert der staunenden Nachweltdas Schauspiel: MarathonI Aber viel bedeutsamer als dieÄußerlichkeit des Ruhmes ist für uns die innerliche Wirkungdieses Krieges. Er läutert den deutschen Geist von seinenSchlacken und wird aus dem deutschen Volkskörper viel Morschesund Verfaultes — Scheinwerte! — hinwegbrennen. Diese Prü-fung führt jeden Einzelnen von uns — vom Höchsten bis zumGeringsten — zur Einkehr und zur Keimkehr. Einkehr in unsselbst unter strengster Selbstkritik I Selbstzucht staut Kräfte. Keim-kehr zu jenen Quellen ewiger Kraft, von denen in unbewußtemDunkel alles Menschenleben ausströmt, um in bewußter Freiheitzurückzustreben. Durch diesen Krieg wird eindringlicher als vonden Kanzeln die Vergänglichkeit alles Irdischen gepredigt. SolcheVertiefung und Läuterung unserer Seele ist eine Gnade, wasimmer der äußere Verlauf dieser Prüfung sei, deren Schwerstesvielleicht noch nicht durchlebt ist. Aber von diesem innerlichstenPunkt aus drängt das riesenhafte Erlebnis zu einer völligen Er-neuerung unseres körperlichen wie unseres geistigen, unseres persön-lichen wie unseres staatlichen Daseins. Wiedergeburt — dasLeitwort des Kriegszeitalters I
Wir kehren zu unserem Ausgangspunkt zurück. Indem dieEngländer den Widerstand des unglücklichen Belgiens steiften,haben sie uns nach Antwerpen und an die Kanalküste gebracht:Altes deutsches Reichsgebiet, altes Kabsburger Landesgebiet, biszu den Nevolutionskriegen (1794)1 Wir nähern uns damit inner-lich wieder den Niederlanden , deren einziger Angrenzer wir heutegeworden sind. Indem wir die Selbstbestimmung dieser Welt derFreiheit achten, nehmen wir das Werk auf, das die alten Nieder-länder Seehelden unvollendet ließen: den Kampf gegen den un-verhüllten Despotismus: einst Spaniens , heute Nußlands, denKampf gegen den gefährlicheren verhüllten Despotismus Englands
Zb