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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
VI
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die Rechte, die sie an den einzelnen Gegenständen besitzt. Wenn eseine Philosophie des Geldes geben soll, so kann sie nur diesseits undjenseits der ökonomischen Wissenschaft vom Gelde liegen: sie kanneinerseits die Voraussetzungen darstellen, die, in der seelischen Ver-fassung, in den sozialen Beziehungen, in der logischen Struktur derWirklichkeiten und der Werte gelegen, dem Geld seinen Sinn und seinepraktische Stellung anweisen. Das ist nicht die Frage nach der Ent-stehung des Geldes: denn diese gehört in die Geschichte, nicht in diePhilosophie. Und so hoch wir den Gewinn achten, den das Verständniseiner Erscheinung aus ihrem historischen Werden zieht, so ruht derinhaltliche Sinn und Bedeutung der gewordenen doch oft auf Zusammen-hängen begrifflicher, psychologischer, ethischer Natur, die nicht zeitlich,sondern rein sachlich sind, die von den geschichtlichen Mächten wohlrealisiert werden, aber sich in der Zufälligkeit derselben nicht erschöpfen.Die Bedeutsamkeit, die Würde, der Gehalt des Rechts etwa oder derReligion oder der Erkenntnis steht ganz jenseits der Frage nach denWegen ihrer historischen Verwirklichung. Der erste Teil dieses Bucheswird so das Geld aus denjenigen Bedingungen entwickeln, die sein Wesenund den Sinn seines Daseins tragen.

Die geschichtliche Erscheinung des Geldes, deren Idee und Strukturich so aus den Wertgefühlen, der Praxis den Dingen gegenüber undden Gegenseitigkeitsverhältnissen der Menschen als ihren Voraussetzungenzu entfalten suche, verfolgt nun der zweite, synthetische Teil in ihrenWirkungen auf die innere Welt: auf das Lebensgefühl der Individuen,auf die Verkettung ihrer Schicksale, auf die allgemeine Kultur. Hierhandelt es sich also einerseits um Zusammenhänge, die ihrem Wesennach exakt und im einzelnen erforschbar wären, aber es bei dem augen-blicklichen Stande des Wissens nicht sind und deshalb nur nach demphilosophischen Typus: im allgemeinen Überschlag, in der Vertretungder Einzelvorgänge durch die Verhältnisse abstrakter Begriffe, zu be-handeln sind; andrerseits um seelische Verursachungen, die für alleZeiten Sache hypothetischer Deutung und einer künstlerischen, vonindividueller Färbung nie ganz lösbaren Nachbildung sein werden. DieseVerzweigung des Geldprinzips mit den Entwicklungen und Wertungendes Innenlebens steht also ebensoweit hinter der ökonomischen Wissen-schaft vom Gelde, wie das Problemgebiet des ersten Teiles vor ihr ge-standen hatte. Der eine soll das Wesen des Geldes aus den Be-dingungen und Verhältnissen des allgemeinen Lebens verstehen lassen,der andere umgekehrt Wesen und Gestaltung des letzteren aus derWirksamkeit des Geldes.