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Malse und Arten von Wert für uns besitzen. In jedem Augenblick, indem unsere Seele kein blofser interesseloser Spiegel der Wirklichkeit ist— was sie vielleicht niemals ist, da selbst das objektive Erkennen nuraus einer Wertung seiner hervorgehen kann — lebt sie in der Weltder Werte, die die Inhalte der Wirklichkeit in eine völlig autonomeOrdnung falst.
Damit bildet der Wert gewissermalsen das Gegenstück zu dem Seinund ist nun grade als umfassende Form und Kategorie des Weltbildesmit ihm vielfach vergleichbar. Kant hat hervorgehoben, das Sein seikeine Eigenschaft der Dinge; denn wenn ich von einem Objekte, dasbisher nur in meinen Gedanken bestand, sage: es existiere, so gewinntes dadurch keine neue Eigenschaft; denn sonst würde ja nicht eben das-selbe Ding, das ich vorhin dachte, sondern ein anderes existieren. Sowächst einem Dinge auch dadurch, dafs ich es wertvoll nenne, durchauskeine neue Eigenschaft zu; denn wegen der Eigenschaften, die es besitzt,wird es ja grade erst gewertet: genau sein schon allseitig bestimmtesSein wird in die Sphäre des Wertes erhoben. Dies wird von einer dertiefstgehenden Zerlegungen unseres Denkens getragen. Wir sind fähigjdie Inhalte des Weltbildes zu denken, unter völligem Absehen von ihrerrealen Existenz oder Nichtexistenz. Die Komplexe von Eigenschaften,die wir Dinge nennen, samt allen Gesetzen ihres Zusammenhanges undihrer Entwicklung, können wir in ihrer rein sachlichen, logischen Be-deutung vorstellen, und, ganz unabhängig davon, fragen: ob, wo, wieoft alle diese Begriffe oder inneren Anschauungen verwirklicht sind.Wie dieser inhaltliche Sinn und Bestimmtheit der Objekte nicht von derFrage berührt wird, ob sie sich im Sein wiederfinden, ebensowenig von deranderen, ob sie eine Stelle und welche in der Skala der Werte einnehmen.Wenn es aber einerseits zu einer Theorie, andrerseits zu einer Praxis füruns kommen soll, so müssen wir die Denkinhalte nach diesem beidenfragen, und in beiderlei Hinsicht kann sich keiner einer Antwort ent-ziehen. Von jedem vielmehr mufs ein unzweideutiges Sein oder Nicht-sein aussagbar sein und jeder mufs für uns auf der Stufenleiter derWerte — von dem höchsten durch die Gleichgültigkeit hindurch zu dennegativen Werten — eine ganz bestimmte Stelle haben; denn die Gleich-gültigkeit ist ein Ablehnen der Wertung, das sehr positiven Wesens seinkann, in ihrem Hintergrund steht immer die Möglichkeit desInteresses, von der nur grade kein Gebrauch gemacht wird. Die prin-zipielle Bedeutung dieser Forderung, die die gesamte Konstitution unseresWeltbildes bedingt, wird natürlich garnicht dadurch alteriert, dafs unsereErkenntnismittel sehr oft zu der Entscheidung über die Realität der Be-