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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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griffe nicht ausreichen und ebenso oft Umfang und Sicherheit unsererGefühle nicht zu einer Wertrangierung der Dinge, insbesondere nicht zueiner beständigen oder allgemein gültigen. Der Welt der blofsen Be-griffe, der sachlichen Qualitäten und Bestimmungen, stehen die grofsenKategorien des Seins und des Wertes gegenüber, allumfassende Formen,die ihr Material aus jener Welt der reinen Inhalte entnehmen. Beidenist der Charakter der Fundamentalität gemeinsam, d. h. die Unmöglich-keit, aufeinander oder auf einfachere Elemente zurückgeführt zu werden.Deshalb ist unmittelbar das Sein irgendwelchen Dinges nie logischerweisbar; vielmehr, das Sein ist eine ursprüngliche Form unseres Vor-stellens, die empfunden, erlebt, geglaubt, aber nicht dem, der sie nochnicht kennte, deduziert werden kann. Hat sie erst einmal einen einzelnenInhalt ergriffen, durch eine jenseits des Logischen liegende Tat, sonehmen die logischen Zusammenhänge sie auf und tragen sie, soweit sieselbst reichen. So können wir freilich in der Regel sagen, weshalb wireine bestimmte Wirklichkeit annehmen: weil wir nämlich eine anderebereits angenommen haben, deren Bestimmtheiten mit jener inhaltlichverbunden sind. Die Wirklichkeit der ersten jedoch ist nur durch einegleiche Zurückschiebung auf eine noch fundamentalere zu erweisen.Dieser Regrefs aber muls ein letztes Glied haben, dessen Sein nur durchdas unmittelbare Gefühl einer Überzeugung, Bejahung, Anerkennung,oder richtiger: als ein solches Gefühl gegeben ist. Genau so verhältsich der Wert den Objekten gegenüber. Alle Beweise für den Werteines solchen bedeuten nur die Nötigung, den für irgendein Objekt bereitsvorausgesetzten und jetzt augenblicklich fraglosen Wert auch einemanderen, jetzt fraglichen Objekt zuzuerkennen. Auf welche Motive hinwir dies tun, ist später festzustellen; hier nur, dafs, was wir durchWert beweise einsehen, immer nur die Überleitung eines bestehendenWertes auf neue Objekte ist, dagegen weder das Wesen des Wertesselbst noch der Grund, weshalb er ursprünglich an denjenigen Gegen-stand geheftet wurde, der ihn nachher auf andere ausstrahlt.

Gibt es erst einmal einen Wert, so sind die Wege seiner Verwirklichung,ist seine Weiterentwicklung verstandesmäfsig zu begreifen, denn nun folgt sie mindestens abschnittsweise der Struktur der Wirklichkeitsinhalte.Dafs es ihn aber gibt, ist ein Urphänomen. Alle Deduktionen des Wertesmachen nur die Bedingungen kenntlich, auf die hin er sich, schliefslichganz unvermittelt, einstellt, ohne doch aus ihnen hergestellt zu werdenwie alle theoretischen Beweise nur die Bedingungen bereiten können, aufdie hin jenes Gefühl der Bejahung oder des Daseins eintritt. So wenigman zu sagen wüfste, was denn das Sein eigentlich sei, so wenig kann