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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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Objekt überhaupt noch nicht eingetaucht ist, so wenig ist dieser reineInhalt der Dinge oder Vorstellungen etwas Objektives, sondern von dieserdifferentiellen Form ebenso frei wie von ihrem Gegensatz und erst bereit,sich in der einen oder der anderen darzustellen. Subjekt und Objektwerden in demselben Akte geboren, logisch, indem der rein begriffliche,ideelle Sachgehalt einmal als Inhalt des Vorstellens, ein anderes Mal alsInhalt der objektiven Wirklichkeit gegeben wird psychologisch, indemdas noch ichlose, Person und Sache im Indifferenzzustande enthaltendeVorstellen in sich auseinandertritt, und zwischen dem Ich und seinemGegenstand eine Distanz entsteht, durch die jedes von beiden erst seinvom anderen sich abhebendes Wesen erhält.

Dieser Prozeis nun, der schlielslich unser intellektuelles Weltbild zu-stande bringt, vollzieht sich auch innerhalb der willensmälsigen Praxis.Auch hier umfafst die Scheidung in das begehrende, genielsende, wertendeSubjekt und das als Wert beurteilte Objekt weder die ganzen seelischenZustände noch die gesamte sachliche Systematik des praktischen Gebietes.Insoweit der Mensch irgendeinen Gegenstand nur geniefst, liegt ein insich völlig einheitlicher Aktus vor. Wir haben in solchem Augenblickeine Empfindung, die weder ein Bewufstsein eines uns gegenüberstehendenObjektes als solchen, noch ein Bewufstsein eines Ich enthält, das vonseinem momentanen Zustande gesondert wäre. Hier begegnen sich Er-scheinungen der tiefsten und der höchsten Art. Der rohe Trieb, ins-besondere der von unpersönlich - genereller Natur, will sich an einemGegenstände nur selbst loswerden, es kommt ihm nur auf seine Befriedi-gung an, gleichviel, wodurch sie gewonnen sei; das Bewufstsein wirdausschlielslich von dem Genufs erfüllt, ohne sich seinem Träger auf dereinen Seite, seinem Gegenstand auf der anderen mit getrennten Akzen-tuierungen zuzuwenden. Andrerseits zeigt der ganz gesteigerte ästhetischeGenufs dieselbe Form. Auch hier »vergessen wir uns selbst«, aber wirempfinden auch das Kunstwerk jnicht mehr als etwas juns Gegenüber-stehendes, weil die Seele völlig mit ihm verschmolzen ist, es ebenso insich eingezogen, wie sie sich ihm hingegeben hat. Hier wie dort wirdder psychologische Zustand von dem Gegensatz zwischen Subjekt undObjekt noch nicht oder nicht mehr berührt, aus seiner unbefangenenEinheit löst erst ein neu einsetzender Bewufstseinsprozefs jene Kategorienaus und betrachtet nun erst den reinen Inhaltsgenuls einerseits als denZustand eines dem Objekt gegenüberstehenden Subjekts, andrerseits alsdie Wirkung eines von dem Subjekt unabhängigen Objekts. Diese Span-nung, die die naiv-praktische Einheit von Subjekt und Objekt auseinander-treibt und beides eines am anderen erst für das Bewufstsein