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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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erzeugt', wird zunächst durch die blolse Tatsache des Begehrens her-gestellt. Indem wir begehren, was wir noch nicht haben und ge-nielsen, tritt dessen Inhalt uns gegenüber. In dem ausgebildetenempirischen Leben steht zwar der fertige Gegenstand vor uns und wirddaraufhin erst begehrt schon weil aufser den Ereignissen des Wollensviele andere, theoretische und gefühlsmäfsige, zu der Objektwerdung derseelischen Inhalte wirken; allein innerhalb der praktischen Welt für sichallein, auf ihre innere Ordnung und ihre Begreiflichkeit hin angesehen,sind die Entstehung des Objekts als solchen und sein Begehrtwerdendurch das Subjekt Korrelatbegriffe, sind die beiden Seiten des Differen-zierungsprozesses, der die unmittelbare Einheit des Genufsprozessesspaltet. Man hat behauptet, dafs unsere Vorstellung von objektiverRealität aus dem Widerstand entspränge, den wir, insbesondere ver-mittelst des Tastsinnes, seitens der Dinge erfahren. Dies ist ohne weiteresauf das praktische Problem zu übertragen. Wir begehren die Dinge erstjenseits ihrer unbedingten Hingabe an unseren Gebrauch und Genufs,d. h. indem sie eben diesem irgendeinen Widerstand entgegensetzen; derInhalt wird Gegenstand, sobald er uns entgegensteht, und zwar nichtnur in seiner empfundenen Undurchdringlichkeit, sondern in der Distanzdes Nochnichtgeniefsens, deren subjektive Seite das Begehren ist. WieKant einmal sagt: die Möglichkeit der Erfahrung ist die Möglichkeitder Gegenstände der Erfahrung weil Erfahrungen machen, heilst: dafsunser Bewufstsein die Sinnesempfindungen zu Gegenständen bildetso ist die Möglichkeit des Begehrens die Möglichkeit der Gegenständedes Begehrens. Das so zustande gekommene Objekt, charakterisiertdurch den Abstand vom Subjekt, den dessen Begehrung ebenso feststelltwie zu überwinden sucht heifst uns ein Wert. Der Augenblick desGenusses selbst, in dem Subjekt und Objekt ihre Gegensätze verlöschen,konsumiert gleichsam den Wert; er entsteht erst wieder in der Trennungvom Subjekt, als Gegenüber, als Objekt. Die trivialen Erfahrungen: dafswir viele Besitztümer erst dann recht als Werte schätzen, wenn wir sieverloren haben; dafs die blofse Versagtheit eines begehrten Dinges esoft mit einem Werte ausstattet, dem sein erlangter Genufs nur in sehrgeringem Mafse entspricht; dafs die Entferntheit von den Gegenständenunserer Genüsse in jedem unmittelbaren und übertragenen Sinne derEntfernung sie in verklärtem Lichte und gesteigerten Reizen zeigtalles dies sind Abkömmlinge, Modifikationen, Mischungsformen der grund-legenden Tatsache, dafsder Wert nicht in der ungebrochenen Einheitdes Genufsmomentes entspringt, sondern indem dessen Inhalt sich als Ob-jekt von dem Subjekt löst und ihm als jetzt erst Begehrtes gegenüber-