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tritt, das zu gewinnen es der Überwindung von Abständen, Hemm-nissen, Schwierigkeiten bedarf. Um die obige Analogie wieder aufzu-nehmen: im letzten Grunde vielleicht drängten sich nicht die Realitätendurch die Widerstände, die sie uns leisten, in unser Bewufstsein, sonderndiejenigen Vorstellungen, an welche Widerstandsempfindungen und Hem-mungsgefühle geknüpft wären, hiefsen uns die objektiv realen, von unsunabhängig aufserhalb unser befindlichen. So ist es nicht deshalbschwierig, die Dinge zu erlangen, weil sie wertvoll sind, sondern wirnennen diejenigen wertvoll, die unserer Begehrung, sie zu erlangen,Hemmnisse entgegensetzen. Indem dies Begehren sich gleichsam anihnen bricht oder zur Stauung kommt, erwächst ihnen eine Bedeutsam-keit, zu deren Anerkennung der ungehemmte Wille sich niemals ver-anlafst gesehen hätte.
Der Wert, der so gleichzeitig mit dem begehrenden Ich und alssein Korrelat in einem und demselben Differenzierungsprozefs auftritt,untersteht darüber hinaus einer weiteren Kategorie; es ist dieselbe, dieauch für das auf dem Wege des theoretischen Vorstellens gewonneneObjekt galt. Dort hatte sich ergeben, dafs die Inhalte, die einerseits inder objektiven Welt realisiert sind, andrerseits als subjektive Vorstellungenin uns leben, jenseits dieser beiden eine eigentümliche ideelle Dignitätbesitzen. Der Begriff des Dreiecks oder der des Organismus, die Kau-salität oder das Gravitationsgesetz haben einen logischen Sinn, eineGültigkeit ihrer inneren Struktur, mit der sie zwar ihre Verwirklichungenim Raume und im Bewufstsein bestimmen, die aber, auch wenn es zusolchen niemals käme, unter die nicht weiter auflösbare Kategorie desGültigen oder Bedeutsamen gehören und sich von fantastischen oderwiderspruchsvollen Begriffsgebilden unbedingt unterscheiden würden,denen sie doch in bezug auf physische oder psychische Nichtrealität völliggleichstünden. Analog nun, mit den durch die Gebietsänderung bedingtenModifikationen, verhält sich der Wert, der den Objekten des subjektivenBegehrens zuwächst. Wie wir gewisse Sätze als wahr vorstellen, mitdem begleitenden Bewufstsein, dafs ihre Wahrheit von diesem Vorgestellt-werden unabhängig ist — so empfinden wir Dingen, Menschen, Er-eignissen gegenüber, dafs sie nicht nur von uns als wertvoll empfundenwerden, sondern wertvoll wären, auch wenn niemand sie schätzte. Daseinfachste Beispiel ist der Wert, den wir der Gesinnung der Menschenzusprechen, der sittlichen, vornehmen, kraftvollen, schönen. Ob solcheinneren Beschaffenheiten sich je in Taten äufsern, die die Anerkennungihres Wertes ermöglichen oder erzwingen, ja ob ihr Träger selbst mitdem Gefühl eigenen Wertes über sie reflektiert, erscheint uns nicht nur