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Die Bedeutung irgend eines körperhaften Symbols, uns zu religiösenGefühlen zu erregen; die sittliche Forderung einer bestimmten Lebens-lage, sie zu revolutionieren oder bestehen zu lassen, sie weiterzuent-wickeln oder zurückzubilden; die pflichtartige Empfindung, grofsen Er-eignissen gegenüber nicht gleichgültig zu bleiben, sondern unsereInnerlichkeit auf sie reagieren zu lassen; das Recht des Anschaulichen,nicht einfach hingenommen, sondern in die Zusammenhänge ästhetischerWürdigung eingestellt zu werden — alles dies sind Ansprüche, die zwarausschliefslich innerhalb des Ich empfunden oder verwirklicht werden,ohne in den Objekten selbst ein Gegenbild oder sachlichen Ansatzpunktzu finden, die aber, als Ansprüche, in dem Ich so wenig unterzu-bringen sind, wie in den Gegenständen, die sie betreffen. Von dernatürlichen Sachlichkeit aus gesehen, mag solcher Anspruch als subjektiverscheinen, von dem Subjekte aus als etwas Objektives; in Wirklichkeitist es eine dritte, aus jenen nicht zusammensetzbare Kategorie, gleichsametwas zwischen uns und den Dingen. Ich sagte, dafs der Wert derDinge zu jenen Inhaltsgebilden gehörte, die wir, indem wir sie vorstellen,zugleich als etwas innerhalb dieses Vorgestelltwerdens dennoch Selbst-ständiges empfinden, als etwas von der Funktion, durch die es in unslebt, Gelöstes; dieses »Vorstellen« ist nun in dem Falle, wo ein Wertseinen Inhalt bildet, genauer angesehen, eben eine Empfindung von An-spruch, jene »Funktion« ist eine Forderung, die als solche nicht aufser-halb unser existiert, aber ihrem Inhalt nach dennoch aus einem ideellenReiche stammt, das nicht in uns liegt, das auch nicht den Objekten derWertschätzung als eine Qualität ihrer anhaftet; es besteht vielmehr in derBedeutung, die sie durch ihre Stellung in den Ordnungen jenesideellen Reiches für uns als Subjekte besitzen. Dieser Wert, den wirals von seinem Anerkanntwerden unabhängig denken, ist eine meta-physische Kategorie; als solche steht er ebenso jenseits des Dualismusvon Subjekt und Objekt, wie das unmittelbare Geniefsen diesseits desselbengestanden hatte. Das letztere ist die konkrete Einheit, auf die jenedifferentiellen Kategorien noch nicht angewendet sind, das erstere dieabstrakte oder ideelle Einheit, in deren fürsichseiender Bedeutung erwieder verschwunden ist — wie in dem allbefassenden Bewufstseins-zusammenhang, den Fichte das Ich nennt, der Gegensatz des empirischenIch und des empirischen Nicht-Ich verschwunden ist. Wie der Genufs indem Moment der völligen Verschmelzung der Funktion mit ihrem Inhaltnicht als subjektiv zu bezeichnen ist, weil kein gegenüberstehendes Objektden Subjektsbegriff rechtfertigt, so ist dieser für sich seiende, an sichgeltende Wert nichts Objektives, weil er gerade von dem Subjekt, das