16
ihn denkt, unabhängig gedacht wird, innerhalb des Subjekts zwar alsForderung des Anerkanntwerdens auf tritt, aber auch durch die Nicht-erfüllung dieser Forderung nichts von seinem Wesen einbüfst.
Für die Wertempfindungen, in denen die tägliche Lebenspraxis ver-läuft, kommt diese metaphysische Sublimierung des Begriffes nicht inBetracht. Hier handelt es sich nur um den im Bewufstsein von Subjektenlebendigen Wert und um diejenige Objektivität, die in diesem psycho-logischen Wertungsprozefs als sein Gegenstand entsteht. Ich zeigte vor-hin, dafs dieser Prozefs der Wertbildung sich mit dem Auf wachsen einesAbstandes zwischen dem Geniefsenden und der Ursache seines Genussesvollzieht. Und indem die Gröfse dieses Abstandes variiert — gemessennicht von dem Genufs her, in dem er verschwunden ist, sondern von derBegehrung her, die mit ihm entsteht und die er zu überwinden sucht —■entspringen nun erst jene Unterschiedenheiten der Wertbetonung, die manals subjektive und objektive auseinanderhalten kann. Mindestens für jeneObjekte, auf deren Schätzung die Wirtschaft beruht, ist der Wert zwardas Korrelat des Begehrens — wie die Welt des Seins meine Vorstellungist, so ist die Welt des Wertes meine Begehrung —; allein trotz derlogisch-physischen Notwendigkeit, dafs jeder Begehrungstrieb seine Be-friedigung von einem Gegenstand erwarte, richtet er sich in vielen Fällenseiner psychologischen Struktur nach doch auf diese Befriedigung allein,so dafs der Gegenstand selbst ganz gleichgültig ist, wenn er nur denTrieb stillt. Wenn der Mann sich an jedem beliebigen Weibe ohneindividuelle Auswahl genügen läfst, wenn er alles ifst, was er nur kauenund verdauen kann; wenn er auf jeder Lagerstätte schläft, wenn sichseine Kulturbedürfnisse noch aus dem einfachsten, von der Natur ohneweiteres dargebotenen Material befriedigen lassen — so ist das praktischeBewufstsein noch ein völlig subjektives, es wird ausschliefslich von demeignen Zustand des Subjektes, dessen Erregungen und Beruhigungen, er-füllt, und das Interesse an den Dingen beschränkt sich darauf, dals sieunmittelbare Ursachen dieser Wirkungen sind. Das naive Projektions-bedürfnis des primitiven Menschen, sein nach aufsen gerichtetes, dieInnerlichkeit selbstverständlich hinnehmendes Leben verdeckt dies zwar.Allein der bewufste Wunsch darf nicht immer als zureichender Indexdes wirklich wirksamen Wertempfindens gelten. Eine leichtbegreiflicheZweckmäfsigkeit in der Dirigierung unserer praktischen Kräfte stellt unsoft genug den Gegenstand als wertvoll dar, während, was uns eigentlicherregt, nicht er in seiner sachlichen Bedeutung, sondern die subjektiveBedürfnisbefriedigung ist, die er uns schaffen soll. Von diesem Zustandaus — der natürlich nicht immer als der zeitlich erste, sondern als der