Druckschrift 
Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

17

einfachste, fundamentale, gleichsam systematisch erste zu gelten hatwird das Bewufstsein auf zwei Wegen, die sich aber wieder vereinigen,auf das Objekt selbst hingeleitet. Sobald nämlich das gleiche Bedürfniseine Anzahl von Befriedigungsmöglichkeiten, ja vielleicht alle bis aufeine einzige zurückweist, wo also nicht nur Befriedigung überhaupt,sondern Befriedigung durch einen bestimmten Gegenstand gewünscht wird,da ist die prinzipielle Wendung vom Subjekt weg auf das Objekt an-gebahnt. Man könnte freilich einwerfen: es handle sich doch in jedemFalle nur um die subjektive Triebbefriedigung; nur sei im letzteren Falleder Trieb selbst schon von sich aus so differenziert, dafs nur ein genaubestimmtes Objekt ihn befriedigen kann; auch hier also werde der Gegen-stand nur als Ursache der Empfindung, nicht aber an sich selbst ge-schätzt. Dieser Ein wand würde allerdings den fraglichen Unterschiedannullieren, wenn die Differenzierung des Triebes diesen wirklich auf eineinziges ihm genügendes Objekt so ausschliefslich zuspitzte, dafs die Be-friedigung durch andere überhaupt ausgeschlossen wäre. Allein dies istein sehr seltener Ausnahmefall. Die breitere Basis, von der aussich auch die differenziertesten Triebe entwickeln, die ursprüngliche All-gemeinheit des Bedürfnisses, das eben nur ein Getriebenwerden, abernoch keine Einzelbestimmtheit des Zieles enthält, pflegt auch weiterhinder Untergrund zu bleiben, an dem die Verengerungen der Befriedigungs-wünsche sich erst ihrer individuellen Besonderheit bewufst werden. Indemdie Verfeinerung des Subjekts den Kreis der Objekte, die seinen Be-dürfnissen genügen, einschränkt, hebt es die Gegenstände seines Be-gehrens in einen scharfen Gegensatz zu allen anderen, die das Bedürfnisan sich auch stillen würden, trotzdem aber jetzt nicht mehr gesuchtwerden. Dieser Unterschied zwischen den Objekten lenkt, nach bekanntenpsychologischen Erfahrungen, das Bewufstsein in besonders hohem Mafseauf sie und läfst sie in diesem als Gegenstände von selbständiger Be-deutsamkeit auftreten. In diesem Stadium erscheint das Bedürfnis vondem Gegenstände determiniert, das praktische Empfinden wird in demMafse, in dem der Trieb sich nicht mehr auf jede, obgleich mögliche,Befriedigung stürzt, mehr und mehr von seinem terminus ad quem stattvon seinem, terminus a quo gelenkt; so dafs der Raum sich vergröfsert,den das Objekt als solches im Bewufstsein einnimmt. Das hängt auchnoch folgendermafsen zusammen. Insoweit der Mensch von seinen Triebenvergewaltigt wird, bildet die Welt für ihn eigentlich eine unterschieds-lose Masse; denn da sie ihm nur das an sich irrelevante Mittel der Trieb-befriedigung bedeutet, diese Wirkung zudem auch aus vielerlei Ursachenhervorgehen kann, so knüpft sich so lange an den Gegenstand in seinemSimmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 2