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selbständigen Wesen kein Interesse. Dals wir aber ein ganz besonderes,einziges Objekt bedürfen, hebt die Tatsache, dafs wir überhaupt einesObjektes bedürfen, in schärferes Bewufstsein. Aber dieses Bewufst-sein ist gewissermafsen ein mehr theoretisches, das die blinde Energie desnur auf sein eigenes Verlöschen losgehenden Triebes herabsetzt.
Indem die differenzierende Zuspitzung des Bedürfnisses mit derSchwächung seiner elementaren Gewalt Hand in Hand geht,wird im Bewufstsein mehr Platz für das Objekt. Oder eben von deranderen Seite gesehen: weil die Verfeinerung und Spezialisierung desBedürfnisses das Bewufstsein zu einer gröfseren Hingabe an das Objektzwingt, wird dem solipsistischen Bedürfnis ein Quantum von Kraft ent-zogen. Allenthalben steht die Schwächung der Affekte, d. h. der un-bedingten Hingabe des Ich an seinen momentanen Gefühlsinhalt, inWechselbeziehung mit der Objektivation der Vorstellungen, mit derHeraussetzung derselben in eine uns gegenüberstehende Existenzform.So ist z. B. das Sichaussprechenkönnen eines der mächtigsten Dämpfungs-mittel der Affekte. In dem Worte projiziert sich der innere Vorganggleichsam nach aufsen, man hat ihn nun als ein wahrnehmbares Gebildesich gegenüber, und damit die Heftigkeit des Affektes abgeleitet. DieBeruhigung der Leidenschaften und die Vorstellung des Objektiven alssolchen in seiner Existenz und Bedeutung sind nur zwei Seiten eines unddesselben Grundprozesses. Die Wendung des innerlichen Interesses vondem blofsen Bedürfnis und seiner Befriedigung zum Objekt mittelst ver-engerter Möglichkeiten der letzteren ist ersichtlich ebensogut von derSeite des Objekts aus herzustellen und zu steigern — indem dasselbe dieBefriedigung schwer, selten, nur auf Umwegen und durch besonderenKrafteinsatz erreichbar macht. Wenn wir nämlich selbst ein sehrdifferenziertes, nur auf ganz ausgewählte Objekte gerichtetes Begehrenvoraussetzen, so wird doch auch dieses seine Befriedigung noch relativwie selbstverständlich hinnehmen, solange dieselbe sich ohne Schwierig-keit und Widerstand darbietet. Worauf es ankommt, um die Eigen-bedeutung der Dinge zu erkennen, das ist doch die Distanz, die sichzwischen ihnen und unserem Aufnehmen bildet. Es ist nur einer dervielen Fälle, in denen man von den Dingen hinwegtreten, einen Raumzwischen uns und sie legen mufs, um ein objektives Bild von ihnen zubekommen. Sicher ist ein solches nicht weniger subjektiv - optisch be-stimmt, als das undeutliche oder verzerrte bei zu grofsem oder zu kleinemAbstand; allein aus inneren Zweckmäfsigkeitsgründen des Erkennens ge-winnt die Subjektivität gerade bei den Extremen der Distanz spezifischeBetonung. Ursprünglich besteht das Objekt nur in unserer Beziehung