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gestellt. Insbesondere wird ihre Entscheidung im Sinne der Subjektivitäthöchst milsverständlich darauf gegründet, dafs kein Gegenstand es zudurchgängiger Allgemeinheit des Wertmafses bringen kann, sonderndieses von Ort zu Ort, von Person zu Person, ja von Stunde zu Stundewechselt. Hier liegt die Verwechslung zwischen Subjektivität und In-dividualität des Wertes vor. Dafs ich zu geniefsen begehre oder geniefse,ist freilich insofern etwas blos subjektives, als darin an und für sichkeinerlei Bewufstseins - oder Interessenakzent für den Gegenstand alssolchen enthalten ist. Nun aber tritt als ein ganz neuer Prozefs, der derWertung ein: der Willens- und Gefühlsinhalt erhält die Form des Objekts.Dieses steht nun dem Subjekt mit einem Mafse von Selbständigkeitgegenüber, sich ihm gewährend oder versagend, an seinen GewinnForderungen knüpfend, durch die ursprüngliche Willkür seiner Wahl ineine gesetzliche Ordnung gehoben, in der es durchaus notwendige Schick-sale und Bedingtheiten erfährt. Dafs die Inhalte, die diese Objektivitäts-form annehmen, nicht für alle Subjekte dieselben sind, ist hierfür ganzirrelevant. Angenommen, die ganze Menschheit vollzöge die genaugleiche Wertung, so würde dieser damit keinerlei Mals von »Objektivität«über dasjenige hinaus Zuwachsen, das sie auch schon in einem ganzindividuellen Falle besitzt - , denn indem ein Inhalt überhaupt gewertetwird, statt blofs als Triebbefriedigung, als Genufs zu funktionieren, stehter in einer objektiven Distanz von uns, die durch die sachlichen Bestimmt-heiten von Hemmnissen und notwendigen Kämpfen, von Gewinn undVerlust, von Abwägungen und Preisen festgelegt ist. Der Grund, ausdem immer wieder die schiefe Frage nach Objektivität oder Subjektivitätdes Wertes gestellt wird, ist der: dafs wir in dem ausgebildetenempirischen Zustande eine unabsehliche Zahl von Objekten vorfinden,die aus rein vorstellungsmäfsigen Ursachen zu solchen geworden sind.Steht aber erst einmal ein fertiges Objekt in unserem Bewufstsein, soscheint freilich der ihm zuwachsende Wert ausschliefslich auf der Seitedes Subjektes zu liegen; der erste Aspekt, von dem ich ausging, dieEinstellung der Inhalte in die Reihen des Seins und des Wertes, scheintmit ihrer Aufteilung in Objektivität und Subjektivität einfach synonymzu sein. Allein man bedenkt dabei nicht, dafs das Objekt des Willensals ein solches etwas anderes ist als das Objekt des Vorstellens. Mögenbeide noch so sehr an der gleichen Stelle der Raum - Zeit - undQualitätsreihen stehen: der begehrte Gegenstand steht uns ganz andersgegenüber, bedeutet uns etwas ganz anderes als der vorgestellte. Icherinnere an die Analogie der Liebe. Der Mensch, den wir lieben, istgarnicht dasselbe Gebilde, wie derjenige, den wir erkenntnismäfsig vor-