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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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ist, wie die eigentlich so genannte Produktion. In beiden Fällen handeltes sich darum, Güter um den Preis anderer, die man hingibt, zuempfangen, und zwar derart, dafs der Endzustand einen Überschufs vonBefriedigungsgefühlen gegenüber dem Zustand vor der Aktion ergibt.Wir können weder Stoffe noch Kräfte neu schaffen, sondern nur diegegebenen so umlagern, dafs möglichst viele in der Wirklichkeitsreihestehende zugleich in die Wertreihe aufsteigen. Diese formale Verschie-bung innerhalb des gegebenen Materials aber vollbringt der Tauschzwischen Menschen genau so wie der mit der Natur, den wir^Produktionnennen, die also beide unter den gleichen Wertbegriff gehören: bei beidenhandelt es sich darum, die leergewordene Stelle des Hingegebenen durchein Objekt gröfseren Wertes auszufüllen, und erst in dieser Bewegunglöst sich das vorher mit dem bedürfenden und geniefsenden Ich ver-schmolzene Objekt von diesem und wird zu einem Wert. Auf den tiefenZusammenhang zwischen dem Wert und dem Tausch, der nicht nurdiesen durch jenen, sondern auch jenen durch diesen bedingt sein läfst,weist schon die Gleichheit des Umfanges hin, in dem sie beide das prak-tische Leben fundamentieren. So sehr unser Leben durch den Mechanis-mus und die Sachlichkeit der Dinge bestimmt scheint, so können wir inWirklichkeit keinen Schritt machen und keinen Gedanken denken, ohnedafs unser Fühlen die Dinge mit Werten ausstattete und ihnen gemäfsunser Tun dirigierte. Dieses Tun selbst aber vollzieht sich nach demSchema des Tausches: von der niedrigsten Bedürfnisbefriedigung bis zumErwerbe der höchsten intellektuellen und religiösen Güter mufs immerein Wert eingesetzt werden, um einen Wert zu gewinnen. Was hierAusgangspunkt und was Folge ist, kann vielleicht nicht bestimmt werden.Denn entweder ist in den Fundamental Vorgängen beides nicht zu trennen,sondern bildet die Einheit des praktischen Lebens, die wir freilich, dawir sie als solche nicht unmittelbar ergreifen können, in jene Momenteauseinanderlegen; oder zwischen beiden spielt ein unendlicher Prozefs,derart, dafs zwar jeder Tausch auf einen Wert, dieser Wert aber seiner-seits auf einen Tausch zurückgeht. Das Fruchtbarere und eigentlichAufklärende aber ist, mindestens für unsere Betrachtung, der Weg vomTausche zum Werte, da das Umgekehrte uns bekannter und selbstver-ständlicher erscheint. Dafs der Wert sich uns als Ergebnis einesOpferprozesses darbietet, das offenbart den unendlichen Reichtum, denunser Leben dieser Grundform verdankt. Das Streben nach möglichsterVerkleinerung des Opfers und die schmerzliche Empfindung seiner lassenuns glauben, dafs erst sein vollständiger Fortfall das Leben auf seineäufserste Werthöhe heben würde. Aber hierbei übersehen wir, dafs das