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Opfer keineswegs immer eine äufsere Barriere ist, sondern die innereBedingung des Zieles selbst und des Weges zu ihm. Die rätselhafteEinheit unseres praktischen Verhältnisses zu den Dingen zerlegen wir inOpfer und Gewinn, Hemmung und Erreichen, und indem das Leben inseinen differenzierten Stadien oft beides zeitlich trennt, vergessen wir,dafs, wenn das Ziel sich uns ohne solche zu überwindende Hinderungverliehe, es gar nicht mehr ebendasselbe Ziel sein würde. Der Wider-stand, den unsere Kraft zu vernichten hat, gibt ihr doch erst die Mög-lichkeit, sich zu bewähren; die Sünde, nach deren Überwindung die Seelezum Heile aufsteigt, sichert ihr erst jene »Freude im Himmel«, die dort anden von vornherein Gerechten nicht geknüpft wird; jede Synthese bedarf desgleichzeitig wirksamen analytischen Prinzips, das sie doch eben verneint(weil sie ohne dieses nicht die Synthese mehrerer Elemente, sondern einabsolutes Eins wäre), und ebenso jede Analyse einer Synthese, in derenAufhebung sie besteht (denn sie fordert noch immer ein gewisses Zu-sammengehören, ohne das sie blofse Beziehungslosigkeit wäre: auch diebitterste Feindschaft ist noch mehr Zusammenhang, als die einfacheGleichgültigkeit, die Gleichgültigkeit noch mehr als das blofse Nicht-von-einander-Wissen). Kurz, die hemmende Gegenbewegung, deren Be-seitigung eben das Opfer bedeutet, ist oft (vielleicht, auf die elementarenVorgänge hin angesehen, sogar immer) die positive Voraussetzung desZieles selbst. Das Opfer gehört keineswegs, wie Oberflächlichkeit undHabgier vorspiegeln möchten, in die Kategorie des Nicht-Seinsollenden.Es ist nicht nur die Bedingung einzelner Werte, sondern, innerhalb desWirtschaftlichen , das uns hier angeht, die Bedingung des Wertes über-haupt; nicht nur der Preis, der für einzelne, bereits festgestellte Wertezu zahlen ist, sondern der, durch den allein es zu Werten kommen kann.
Der Tausch nun vollzieht sich in zwei Formen, die ich hier nur fürden Arbeitswert andeuten will. Insoweit der Wunsch nach Mufse odereinem blofsen sich selbst genügenden Spiel der Kräfte oder der Ver-meidung der an sich lästigen Anstrengung besteht, ist jede Arbeit unbe-streitbar eine Aufopferung. Allein neben diesen Antrieben liegt einQuantum latenter Arbeitsenergie, mit dem wir entweder von ihm ausnichts anzufangen wiifsten, oder das sich durch einen Trieb zu frei-willigem, weder durch Not noch durch ethische Motive hervorgerufenemArbeiten zeigt. Um dieses Quantum Arbeitskraft, dessen Hingabe anund für sich keine Aufopferung ist, konkurrieren eine Mehrzahl von An-forderungen, für deren Gesamtheit es nicht zureicht. Bei jeder Ver-wendung der Kraft müssen also eine oder mehrere mögliche undwünschenswerte Verwendungen derselben aufgeopfert werden. Könnten