39
wir die Kraft, mit der wir die Arbeit A leisten, nicht auch nützlich aufdie Arbeit B verwenden, so würde jene erstere uns [gar kein Opferkosten; dasselbe aber gilt auch für B, falls wir diese etwa statt A voll-brächten. Was also, unter eudämonistischer Minderung, hingegebenwird, ist nicht die Arbeit, sondern gerade die Nichtarbeit; wir zahlenfür A nicht das Opfer der Arbeit — denn diese hinzugeben macht uns,wie wir hier voraussetzen, an sich keinerlei Beschwerde —, sondern denVerzicht auf B. Das Opfer also, das wir bei der Arbeit in den Tauschgeben, ist einmal sozusagen ein absolutes, ein anderes Mal ein relatives:das Leiden, das wir auf uns nehmen, ist einmal ein unmittelbar mit derArbeit verbundenes — wo sie uns Mühe und Plage ist —, ein anderesMal ein indirektes, wo wir das eine Objekt nur unter Verzicht auf dasandere, bei eudämonistischer Irrelevanz oder sogar positivem Werte derArbeit selbst, erlangen können. Damit sind also auch die Fälle dergern geleisteten Arbeit auf die Form des entsagungsvollen Tausches zu-rückgeführt, durch den die Wirtschaft allenthalben charakterisiert wird.
Dafs an den Gegenständen eine bestimmte Höhe des Wertes be-stände, mit der sie in die Relation der Wirtschaft eintreten, indem jedesvon den je zwei Objekten einer Transaktion für den einen Kontrahentenden erstrebten Gewinn, für den anderen das dargebrachte Opfer bedeutet— das gilt wohl für die ausgebildete Wirtschaft, aber nicht für dieGrundprozesse, die sie erst bilden. Die logische Schwierigkeit: dafszwei Dinge doch erst dann gleichen Wert haben könnten, wenn zuerstjedes für sich einen Wert habe, — scheint sich freilich durch die Analogiezu erweisen, dafs doch auch zwei Linien nur gleich lang sein könnten,wenn jede von ihnen schon vor der Vergleichung eine bestimmte Längebesäfse. Allein sie besitzt diese, genau angesehen, wirklich erst in demAugenblick der Vergleichung mit einer anderen. Denn die Bestimmungihrer Länge — da sie doch nicht »lang« schlechthin ist — kann sienicht durch sich selbst erhalten, sondern nur durch eine andere, an dersie sich mifst, und der sie eben damit den gleichen Dienst leistet, ob-gleich das Resultat der Messung nicht von diesem Aktus selbst,sondern von jeder, wie sie unabhängig von der anderen ist, abhängt.Erinnern wir uns der Kategorie, unter der uns das objektive Werturteildas ich das metaphysische nannte, begreiflich wurde: eine in der Be-ziehung zwischen uns und den Dingen sich entwickelnde Aufforderung,,ein bestimmtes Urteil zu vollziehen, dessen Inhalt indessen nicht in denDingen selbst liegt. So verhält sich auch das Längenurteil: von denDingen her ergeht an uns gleichsam der Anspruch, dals wir es miteinem bestimmten Inhalt vollziehen, aber dieser Inhalt ist in den Dingen