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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
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ersetzt werden könnte; wobei aber auch jene Gesamtheit ein Wert-bewufstsein nur von dem Gedanken ihres möglichen Fehlens aus ge-wänne. Unser Bewufstsein würde in diesem Falle einfach von demRhythmus der subjektiven Begehrungen und Befriedigungen erfüllt sein,ohne an das vermittelnde Objekt eine Aufmerksamkeit zu knüpfen. DasBedürfen einerseits, der Genufs andrerseits für sich allein enthalten wederden Wert noch die Wirtschaft in sich. Beides verwirklicht sich gleich-zeitig erst durch den Tausch zwischen zwei Subjekten, von denen jedesdem anderen einen Verzicht zur Bedingung des Befriedigungsgefühlesmacht, bezw. durch dessen Seitenstück in der solipsistischen Wirtschaft.Durch den Austausch, also die Wirtschaft, entstehen zugleich die Werteder Wirtschaft, weil er der Träger oder Produzent der Distanz zwischendem Subjekt und dem Objekt ist, die den subjektiven Gefühlszustand indie objektive Wertung überführt. Ich führte schon oben Kants Zu-sammenfassung seiner Erkenntnislehre an: die Bedingungen der Er-fahrung seien zugleich die Bedingungen der Gegenstände der Erfahrung womit er meinte, dafs der Prozefs, den wir Erfahrung nennen, unddie Vorstellungen, die dessen Inhalte oder Gegenstände bilden, eben-denselben Gesetzen des Verstandes unterliegen. Die Gegenstände könnendeshalb in unsere Erfahrung eingehen, von uns erfahren werden, weilsie Vorstellungen in uns sind, und die gleiche Kraft, die die Erfahrungbildet und bestimmt, sich in der Bildung jener äufsert. In demselbenSinne können wir hier sagen: die Möglichkeit der Wirtschaft ist zugleichdie Möglichkeit der Gegenstände der Wirtschaft. Eben der Vorgangzwischen zwei Eigentümern von Objekten (Substanzen, Arbeitskräften,Rechten, Mitteilbarkeiten jeder Art), der sie in die »Wirtschaft« ge-nannte Beziehung bringt, nämlich die wechselseitige Hingabe,hebt zugleich jedes dieser Objekte erst in die Kategorie des Wertes.Der Schwierigkeit, die von seiten der Logik drohte: dafs die Werte docherst dasein, als Werte dasein müfsten, um in die Form und Bewegungder Wirtschaft einzutreten, ist nun abgeholfen, und zwar durch die ein-gesehene Bedeutung jenes psychischen Verhältnisses, das wir als dieDistanz zwischen uns und den Dingen bezeichneten; denn dieses diffe-renziert den ursprünglichen subjektiven Gefühlszustand in das die Ge-fühle erst antizipierende, begehrende Subjekt und das ihm gegenüber-stehende, nun in sich den Wert enthaltende Objekt während dieDistanz ihrerseits auf dem Gebiete der Wirtschaft durch den Tausch,d. h. durch die zweiseitige Bewirkung von Schranken, Hemmung, Ver-zicht hergestellt wird. Die Werte der Wirtschaft erzeugen sich also in