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ein Glaube gewisser Südseeinsulaner dieses Gefühl aus: wenn man denArzt nicht bezahle, so schlage die Kur nicht an, die er verordnet hat. Dafsvon zwei Objekten das eine wertvoller ist als das andere, stellt sich so-wohl innerlich wie äufserlich nur so dar, dafs ein Subjekt wohl diesesfür jenes, aber nicht umgekehrt hinzugeben bereit ist. In der noch nichtvielgliedrig komplizierten Praxis kann der höhere oder geringere Wertnur Folge oder Ausdruck dieses unmittelbaren praktischen Willens zumTausche sein. Und wenn wir sagen, wir tauschten die Dinge gegen-einander aus, weil sie gleich wertvoll sind, so ist das nur jene häufigebegrifflich-sprachliche Umkehrung, mit der wir so oft jemanden zu liebenglauben, weil er bestimmte Eigenschaften besäfse — während wir ihmdiese Eigenschaft nur geliehen haben, weil wir ihn lieben, oder mit derwir sittliche Imperative aus religiösen Dogmen herleiten, während wir inWirklichkeit an diese glauben, weil jene in uns lebendig sind.
Der Preis fällt seinem begrifflichen Wesen nach mit dem ökonomischobjektiven Werte zusammen; ohne ihn würde es überhaupt nicht gelingen,die Grenzlinie, die den letzteren von dem subjektiven Genufs des Gegen-standes scheidet, zu ziehen. Der Ausdruck nämlich, dafs der TauschWertgleichheit voraussetze, ist vom Standpunkt der kontrahierenden Sub-jekte aus nicht zutreffend. A und B mögen ihre Besitztümer a und ßuntereinander eintauschen, da die beiden gleich viel wert sind. AlleinA hätte keine Veranlassung, sein a fortzugeben, wenn er wirklich nurden für ihn gleich grofsen Wert ß dafür erhielte, ß mufs für ihn eingröfs er es Wertquantum als das, was er bisher an a besessen hat, be-deuten; und ebenso mufs B bei dem Tausche mehr gewinnen als ein-büfsen, um auf ihn einzutreten. Wenn für A also ß wertvoller ist als a,für B dagegen a wertvoller als ß, so gleicht sich dies objektiv, vomStandpunkt eines Beobachters, freilich aus. Allein diese Wertgleichheitbesteht nicht für den Kontrahenten, der mehr empfängt, als er fortgibt.Wenn dieser dennoch überzeugt ist, mit dem Anderen nach Recht undBilligkeit gehandelt und Gleichwertiges ausgetauscht zu haben, so istdies für A so auszudrücken: objektiv zwar habe er an B Gleiches fürGleiches geliefert, der Preis (a) sei das Äquivalent für den Gegenstand(ß), aber subjektiv sei der Wert von ß freilich für ihn gröfser als dervon a. Nun ist aber das Wertgefühl, das A an ß knüpft, doch in sicheine Einheit und in ihm selbst der Teilstrich nicht mehr wahrnehmbar,der das objektive Wertquantum gegen seine subjektive Zugabe abgrenzte.Ausschliefslich also die Tatsache, dafs das Objekt ausgetauscht wird, d. h.ein Preis ist und einen Preis kostet, zieht diese Grenze, bestimmt inner-