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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
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Das Entscheidende ist also dies: dals der wirtschaftliche, praktisch wirk-same Wert niemals ein Wert überhaupt, sondern seinem Wesen undBegriff nach eine bestimmte Wertquantität ist; dafs diese Quantität über-haupt nur durch die Messung zweier Begehrungsintensitäten aneinanderzustande kommen kann; dafs die Form, in der diese Messung innerhalbder Wirtschaft geschieht, die des Austausches von Opfer und Gewinnist; dafs mithin der wirtschaftliche Gegenstand nicht, wie es oberflächlichscheint, an seiner Begehrtheit ein absolutes Wertmoment besitzt, sonderndafs diese Begehrtheit ausschliefslich als Fundament oder Material eines wirklichen oder gedachten Austausches dem Gegenstand einenWert auswirkt.

Die Relativität des Wertes derzufolge die gegebenen gefühls-erregenden, begehrten Dinge erst in der Gegenseitigkeit des Hingabe-und Tauschprozesses zu Werten werden scheint zu der Konsequenzzu drängen, dafs der Wert nichts anderes sei, als der Preis, und dafszwischen beiden keine Höhenunterschiede bestehen können, so dafs dashäufige Auseinanderfallen beider die Theorie widerlegen würde. Diesebehauptet allerdings: dafs es zunächst zu einem Werte überhaupt niemalsgekommen wäre, wenn sich nicht die allgemeine Erscheinung, die wirPreis nennen, eingestellt hätte. Dafs eine Sache rein ökonomisch etwaswert ist, bedeutet, dafs sie mir etwas wert ist, d. h. dafs ich bereit bin,etwas für sie hinzugeben. Alle seine praktischen Wirksamkeiten kannein Wert als solcher nur entfalten, indem er anderen äquivalent, d. h.indem er tauschbar ist. Äquivalenz und Tauschbarkeit sind Wechsel-begriffe, beide drücken denselben Sachverhalt in verschiedenen Formen,gleichsam in der Ruhelage und in der Bewegung, aus. Was in allerWelt kann uns bewegen, über das naiv subjektive Geniefsen der Dingehinaus ihnen noch die eigentümliche Bedeutsamkeit, die wir ihren Wertnennen, zuzusprechen? Ihrer Seltenheit an und für sich kann das nichtgelingen. Denn wenn diese einfach als Tatsache bestünde und nicht inirgendeiner Weise durch uns modifizierbar wäre was sie doch nichtnur durch die produktive Arbeit, sondern auch durch den Besitzwechselist, so würden wir sie als eine natürliche und wegen der mangelndenUnterschiede vielleicht gar nicht bewufste Bestimmtheit des äufserenKosmos hinnehmen, die den Dingen keine Betonung über ihre inhaltlichenQualitäten hinaus verschafft. Diese quillt erst daraus, dafs für die Dingeetwas bezahlt werden mufs: die Geduld des Wartens, die Mühe desSuchens, die Aufwendung der Arbeitskraft, der Verzicht auf anderweitigBegehrenswürdiges. Ohne Preis also Preis zunächst in dieser weiterenBedeutung kommt es zu keinem Wert. In sehr naiver Weise drückt

Simmel, Philosophie des Geldes. 2. Aufl. 4