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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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III.

Bevor ich nun aus diesem Begriff des wirtschaftlichen Wertes dendes Geldes als seinen Gipfel und reinsten Ausdruck entwickle, ist eserforderlich, jenen selbst in ein prinzipiell bestimmtes Weltbild einzu-stellen, um daran die philosophische Bedeutung des Geldes zu ermessen.Denn erst wenn die Formel des wirtschaftlichen Wertes einer Weltformelparallel geht, darf die höchste Verwirklichungsstufe jener beanspruchen,über ihre unmittelbare Erscheinung hinaus, oder richtiger: in eben dieserselbst, das Dasein überhaupt deuten zu helfen.

Das regellose Nebeneinander und Durcheinander der ersten Ein-drücke, die ein Objekt uns bietet, pflegen wir zu organisieren, indemwir eine bleibende und wesentliche Substanz seiner von seinen Be-wegungen, Färbungen, Schicksalen trennen, deren Kommen und Gehendie Festigkeit seines Wesens ungeändert läfst. Diese Gliederung derWelt in die bleibenden Kerne verfliefsender Erscheinungen und die zu-fälligen Bestimmungen beharrender Träger wächst zu dem Gegensatzdes Absoluten und des Relativen auf. Wie wir in uns selbst ein see-lisches Sein zu spüren meinen, dessen Existenz und Charakter nur in sichselbst ruht, eine letzte, von allem Aufser-Ihr unabhängige Instanz, unddiese genau von jenen unserer Gedanken, Erlebnisse und Entwicklungenscheiden, die nur durch Beziehungen zu anderen wirklich oder mefsbarwerden so suchen wir in der Welt nach den Substanzen, Gröfsen undKräften, deren Sein und Bedeutung in ihnen allein begründet ist, undunterscheiden sie von allen relativen Existenzen und Bestimmungenvon allen denen, die nur durch Vergleich, Berührung oder Reaktionanderer das sind, was sie sind. Die Richtung, in der dieser Gegensatzsich entwickelt, wird durch unsere physisch - psychische Anlage und ihrVerhältnis zur Welt präjudiziert. So innig in unserem Dasein auch Be-wegung und Ruhe, Aktivität nach aufsen und Sammlung nach innenverbunden sein mögen, so dafs sie ihre Wichtigkeit und Bedeutung erstaneinander finden so empfinden wir doch die eine Seite dieser Gegen-sätze, die Ruhe, das Substanzielle, das innerlich Feste an unseren Lebens-