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inhalten als das eigentlich Wertvolle, als das Definitive gegenüber demAVechselnden, Unruhigen, Äufserlichen. Es ist die Fortsetzung hiervon,wenn das Denken es im ganzen als seine Aufgabe fühlt, hinter denFlüchtigkeiten der Erscheinung, dem Auf und Nieder der Bewegungendas Unverrückbare und Verläfsliche zu finden, und uns aus dem Auf-einander-Angewiesenen zu dem sich selbst Genügenden, auf sich selbstGegründeten zu führen. So gewinnen wir die festen Punkte, die uns imGewirr der Erscheinungen orientieren und das objektive Gegenbild dessenabgeben, was wir in uns selbst als unser Wertvolles und Definitives vor-stellen. So gilt, um mit den äufserlichsten Anwendungen dieser Tendenzzu beginnen, das Licht als eine feine Substanz, die aus den Körpernströmt, so die Wärme als ein Stoff, so das körperliche Leben als Wirk-samkeit substanzieller Lebensgeister, so die seelischen Vorgänge als ge-tragen von einer besonderen Seelensubstanz; die Mythologien, die hinterden Donner einen Donnerer, unter die Erde einen festen Unterbau, damitsie nicht falle, in die Gestirne Geister setzten, die sie in ihren Bahnenherumführten, suchen nicht weniger für die wahrgenommenen Bestimmt-heiten und Bewegungen eine Substanz, an der diese nicht nur hafte,sondern die eigentlich die wirksame Kraft selbst ist. Und über dieblofsen Beziehungen der Dinge, über ihre Zufälligkeit und Zeitlichkeithinaus wird ein Absolutes gesucht: frühe Denkweisen können sich mitder Entwicklung, dem Gehen und Kommen aller irdischen Formen imKörperlichen und Geistigen nicht abfinden, sondern jede Art der Lebe-wesen ist ihnen ein unveränderlicher Schöpfungsgedanke; Institutionen,Lebensformen, Wertungen sind von jeher, absolut, so gewesen wie siejetzt sind, die Erscheinungen der Welt gelten nicht nur für den Menschenund seine Organisation, sondern sie sind an und für sich so, wie wir sievorstellen. Kurz, die erste Tendenz des Denkens, mit der es den ver-wirrenden Strom der Eindrücke in ein ruhiges Bett zu lenken und ausseinen Schwankungen eine feste Gestalt zu gewinnen meint, richtet sichauf die Substanz und auf das Absolute, denen gegenüber alle Einzel-vorgänge und Beziehungen auf eine vorläufige, für das Erkennen zu über-windende Stufe herabgedrückt werden.
Die angeführten Beispiele ergeben, dafs diese Bewegung wiederrückläufig geworden ist. Nachdem fast alle Kulturepochen einzelne An-sätze dazu gesehen haben, kann man es als eine Grundrichtung dermodernen Wissenschaft bezeichnen, dafs sie die Erscheinungen nichtmehr durch und als besondere Substanzen, sondern als Bewegungen ver-steht, deren Träger gleichsam immer weiter und weiter ins Eigenschafts-lose abrücken; dafs sie die den Dingen anhängenden Qualitäten als