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quantitative, also relative Bestimmungen auszudrücken sucht; dals siestatt der absoluten Stabilität organischer, psychischer, ethischer, sozialerFormationen eine rastlose Entwicklung lehrt, in der jedes Element einebegrenzte, nur durch das Verhältnis zu seinem Vorher und Nachherfestzulegende Stelle einnimmt; dafs sie auf das an sich seiende Wesender Dinge verzichtet und sich mit der Feststellung der Beziehungen be-gnügt, die sich zwischen den Dingen und unserem Geiste, von demStandpunkte dieses aus gesehen, ergeben. Dafs die scheinbare Ruhe derErde nicht nur eine komplizierte Bewegung ist, sondern dafs ihre ganzeStellung im Weltall nur durch ein Wechselverhältnis zu anderen Materien-massen besteht — das ist ein sehr einfacher, aber sehr eingreifender Falldes Überganges von der Festigkeit und Absolutheit der Weltinhalte zuihrer Auflösung in Bewegungen und Relationen.
Aber alles dies scheint, selbst wenn es vollkommen durchgeführtwäre, dennoch einen festen Punkt, eine absolute Wahrheit zu ermöglichen,ja, zu fordern. Das Erkennen selbst nämlich, das jene Auflösung voll-zieht, scheint sich seinerseits dem Strome der ewigen Entwicklung und dernur vergleichsweisen Bestimmtheit zu entziehen, in die es seine einzelnenInhalte verweist. Die Auflösung der absoluten Objektivität der Er-kenntnisinhalte in Vorstellungsarten, die nur für das menschliche Subjektgültig seien, setzt doch irgendwo letzte Punkte voraus, die nicht weiterherleitbar sind; der Flufs und die Relativität der psychischen Prozessedürfe doch diejenigen Voraussetzungen und Normen nicht berühren, nachdenen wir erst entscheiden, ob unsere Erkenntnisse denn wirklich diesenoder einen anderen Charakter tragen; die blofs psychologische Herleitung,in die alle absolut objektiven Erkenntnisse aufgelöst werden sollen, be-darf doch bestimmter Axiome, die nicht selbst wieder, ohne fehlerhaftenZirkel, eine blofs psychologische Bedeutung haben dürfen. Dies ist nichtnur ein Punkt von der gröfsten Wichtigkeit für die allgemeine An-schauung der Dinge, auf der sich alles folgende aufbaut, sondern auchfür viele Einzelheiten derselben so vorbildlich, dafs er der genaueren Er-örterung bedarf.
Zweifellos kann die Wahrheit irgend eines Satzes nur auf Grundvon Kriterien erkannt werden, die von vornherein sicher, allgemein undüber das Einzelne hinübergreifend sind; diese Kriterien können aufeinzelne Gebiete beschränkt sein und ihrerseits ihre Legitimation ausnoch höher gelegenen ziehen; so dafs eine Reihe von Erkenntnissenübereinandergebaut ist, von denen jede nur unter der Bedingung eineranderen gültig ist. Allein diese Reihe mufs, um nicht in der Luft zuschweben, ja eigentlich, um überhaupt möglich zu sein, irgendwo einen