79
sein der Methoden ist etwas völlig anderes als die billige Kompromifs-weisheit der Mischung und des Halb- und Halbtums der Prinzipien, beidem der Verlust des einen immer grölser als der Gewinn des anderen zusein pflegt; hier handelt es sich vielmehr darum, jeder Seite des Gegen-satzpaares eine nicht zu begrenzende Wirksamkeit zu eröffnen. Undwenngleich jede dieser Methoden immer etwas Subjektives bleibt, soscheinen sie doch durch jene Relativität ihrer Anwendung gerade dieobjektive Bedeutung der Dinge angemessen auszudrücken. Sie fügen sichdamit dem allgemeinen Prinzip ein, das unsere Untersuchungen über denWert leitete: Elemente, deren jedes inhaltlich subjektiv ist, können inder Form ihrer gegenseitigen Beziehung das gewinnen oder darstellen,was wir Objektivität nennen. So sahen wir schon oben, wie blofseSinnesempfindungen dadurch, dafs sie aneinander haften, für uns denGegenstand bezeichnen oder zustande bringen. So entsteht die Persön-lichkeit — ein so festes Gebilde, dafs man ihm eine besondere Seelen-substanz unterlegte — mindestens für die empirische Psychologie durchdie gegenseitigen Assoziationen und Apperzeptionen, die unter den ein-zelnen Vorstellungen stattfinden; diese, verfliefsende und subjektive Vor-gänge, erzeugen durch ihre Wechselbeziehungen, was in keiner von ihnenfür sich allein liegt, die Persönlichkeit als objektives Element der theo-retischen und praktischen Welt. So erwächst das objektive Recht, indemdie subjektiven Interessen und Kräfte der Einzelnen sich ausgleichen, sichgegenseitig ihre Stellung und ihr Mafs bestimmen, durch den Austauschvon Ansprüchen und Beschränkungen die objektive Form der Balancierungund Gerechtigkeit gewinnen. So kristallisierte aus den Einzelbegehrungender Subjekte der objektive wirtschaftliche Wert aus, weil die Form derGleichheit und des Austausches zur Verfügung stand, und diese Relationeneine Sachlichkeit und Übersubjektivität haben konnten, die jenen Elementenals einzelnen fehlte. So also mögen jene Methoden des Erkennens nursubjektive und heuristische sein; aber dadurch, dafs jede an der anderenihre Ergänzung und eben durch diese ihre Legitimierung findet, nähernsie sich — wenngleich in einem unendlichen Prozefs des Sich-gegenseitig-Hervorrufens — dem Ideale der objektiven Wahrheit.
Es verwirklicht sich also das Wahrheit-bedeutende Verhältnis derVorstellungen entweder als ein Aufbau ins Unendliche, weil wir selbstbei prinzipiell zugegebener Fundamentierung der Erkenntnis auf nichtmehr relative Wahrheiten nie wissen können, ob wir denn wirklich andieser sachlich letzten Instanz angelangt sind, von jeder erreichten alsowieder auf den Weg zu einer noch allgemeineren und tieferen gewiesenwerden; oder die Wahrheit besteht in einem Gegenseitigkeitsverhältnis