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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
Seite
86
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Wert aufnimmt und seiner Materie dieses Lebensprinzip erteilt, wird nunerst das innere Wesen des Geldes verständlich. Denn in ihm hat derWert der Dinge, als ihre wirtschaftliche Wechselwirkung verstanden,seinen reinsten Ausdruck und Gipfel gefunden.

Welches auch der keineswegs feststehende geschichtlicheUrsprung des Geldes gewesen sein möge, das eine ist jedenfalls vonvornherein sicher, dafs es nicht plötzlich als ein fertiges, seinen reinenBegriff repräsentierendes Element in die Wirtschaft eingetreten sein,sondern sich nur aus vorher bestehenden Werten entwickelt haben kann,und zwar derart, dafs die Geldqualität, die jedem Objekte, soweit esüberhaupt tauschbar ist, in irgend einem Mafse eigen ist, sich an einemeinzelnen in höherem Mafse herausgestellt hat, und es die Funktion desGeldes zunächst noch sozusagen in Personalunion mit seiner bisherigenWertbedeutung ausgeübt hat. Ob das Geld diese genetische Verbindungmit einem Werte, der nicht Geld ist, je vollständig gelöst hat oder lösenkann, haben wir im nächsten Kapitel zu untersuchen. Es hat jedenfallsunendliche Irrungen veranlafst, dafs man Wesen und Bedeutung desGeldes nicht von den Bestimmtheiten derjenigen Werte begrifflich ge-sondert hat, an denen es sich, als Steigerung einer Qualität derselben,heraufgebildet hat. Wir aber betrachten es hier zunächst ohne jedeRücksicht auf den Stoff, der sein substanzieller Träger ist; denn ge-wisse Eigenschaften, die ihm vermittels dieses beigesellt sind, reihen dasGeld noch demjenigen Kreise von Gütern ein, dem es als Geld ge gen-üb er gestellt ist. Schon auf den ersten Blick bildet das Geld gleichsameine Partei, und die Gesamtheit der mit ihm bezahlten Güter die andere,so dafs, wenn sein reines Wesen in Frage steht, man es wirklich blofsals Geld und in Loslösung von allen ihm sekundären Bestimmungen be-handeln mufs, die es dieser ihm gegenüberstehenden Partei doch wiederkoordinieren.

In diesem Sinne findet man das Geld als »abstrakten Vermögens-wert« definiert; als sichtbarer Gegenstand ist es der Körper, mit demder von den wertvollen Gegenständen selbst abstrahierte wirtschaftlicheWert sich bekleidet hat, dem Wortlaut vergleichbar, der zwar einakustisch-physiologisches Vorkommnis ist, seine ganze Bedeutung füruns aber nur in der inneren Vorstellung hat, die er trägt oder symbo-lisiert. Wenn nun der wirtschaftliche Wert der Objekte in dem gegen-seitigen Verhältnis besteht, das sie, als tauschbare, eingehen, so ist dasGeld also der zur Selbständigkeit gelangte Ausdruck dieses Verhältnisses;es ist die Darstellung des abstrakten Vermögenswertes, indem aus demwirtschaftlichen Verhältnis, d. h. der Tauschbarkeit der Gegenstände, die