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kann: in einem Monismus, wie dem Spinozischen, sind die sämtlichenInhalte des Weltbildes zu Relativitäten geworden. Die umfassende Sub-stanz, das allein übrig gebliebene Absolute, kann nun, ohne dafs dieWirklichkeiten inhaltlich alteriert würden, aufser Betracht gesetzt werden— die Expropriateurin wird expropriiert, wie Marx einen formal gleichenProzefs beschreibt — und es bleibt tatsächlich die relativistische Auf-gelöstheit der Dinge in Beziehungen und Prozesse übrig. Die Bedingt-heit der Dinge, die der Relativismus als ihr Wesen konstituiert, kannnur für eine oberflächliche Anschauung oder bei nicht hinreichend radikalemDurchdenken des Relativismus den Gedanken der Unendlichkeit auszu-schliefsen scheinen. Vielmehr ist das Umgekehrte richtig. Denn einekonkrete Unendlichkeit scheint mir nur auf zwei Wegen denkbar. Ein-mal als eine auf- oder absteigende Reihe, in der jedes Glied von einemanderen abhängt und ein drittes von sich abhängen läfst: das mag in-bezug auf räumliche Anordnung, auf kausale Energieübertragung, aufzeitliche Folge, auf logische Ableitung stattfinden. Was diese Reihen-form ins Extensive zieht, bietet uns, zweitens, die Wechselwirkung inkompendiöser, in sich zurücklaufender Form. Wenn die Wirkung, dieein Element auf ein anderes ausübt, für dieses zur Ursache wird, aufjenes erste eine Wirkung zurückzustrahlen, die so wiedergegebene aber,ihrerseits wieder zur Ursache einer Rückwirkung werdend, das Spielvon neuem beginnen läfst: so ist hiermit das Schema einer wirklichenUnendlichkeit der Aktivität gegeben. Hier ist eine immanente Grenzen-losigkeit, der des Kreises vergleichbar; denn auch diese entsteht dochnur in der völligen Gegenseitigkeit, mit der jeder Abschnitt desselbenjedem anderen seine Stelle bestimmt — im Unterschied gegen anderein sich zurücklaufende Linien, von denen nicht jeder Punkt von allenimmanenten Seiten her die gleiche wechselwirkende Bestimmtheit erfährt.Wo die Unendlichkeit in Substanz oder als das Mals eines Absoluteneingeführt wird, bleibt sie doch immer ein sehr grofses Endliches.Gerade nur die Bedingtheit jedes Daseinsinhaltes durch einen anderen,der in gleicher Weise bedingt ist — sei es durch einen dritten, an demsich das Gleiche wiederholt, sei es durch jenen ersten, mit dem ersich in Wechselwirkung verschlingt — hebt die Endlichkeit des Daseins auf.
Dies also mag als Hinweisung auf einen philosophischen Standpunktgenügen, auf dem die Mannigfaltigkeit der Dinge eine letzte Einheit derBetrachtung zu gewinnen vermag, und die die oben gegebene Deutungdes wirtschaftlichen Wertes in den weitesten Zusammenhang einordnet.Indem der Grundzug aller erkennbaren Existenz, das Aufeinander-An-gewiesensein und die Wechselwirkung alles Daseienden den ökonomischen