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sein mag, ist hier völlig gleichgültig; jedes Ai oder A2, das von jenemqualitativ abweicht, ist, insofern es ebenfalls eine Mark gilt, ihm gleich,weil, oder genauer: indem es zu BCDE dasselbe Verhältnis quantitativbestimmten Austausches hat. Geld ist das »Geltende« schlechthin, undwirtschaftliches Gelten bedeutet etwas gelten, d. h. gegen etwas anderesvertauschbar zu sein. Alle anderen Dinge haben einen bes timm tenInhalt und gelten deshalb; das Geld umgekehrt hat seinen Inhalt davon,dafs es gilt, es ist das zur Substanz erstarrte Gelten, das Gelten derDinge ohne die Dinge selbst. Indem es so das Sublimat der Relativitätder Dinge ist, scheint es selbst dieser entzogen zu sein — wie dieNormen der Wirklichkeit nicht derselben Relativität unterliegen, die dieWirklichkeit beherrschen, und zwar nicht trotzdem, sondern gerade weilihre Inhalte die zu selbständiger Lebendigkeit, Bedeutung und Haltbar-keit aufgewachsenen Verhältnisse zwischen den Dingen sind. AllesSein ist gesetzmäfsig, aber eben deshalb sind die Gesetze, denen esunterliegt, nicht selbst wieder gesetzmäfsig: man würde sich im Zirkelbewegen, wenn man ein Naturgesetz des Inhalts annähme, dafs esNaturgesetze geben müsse — wobei ich freilich dahingestellt lasse, obdieser Zirkel nicht etwa dennoch als legitimer besteht, weil er zu denfundamentalen Bewegungen des Denkens gehöre, die in sich selbstzurück- oder auf einen im Unendlichen liegenden Zielpunkt hingehen.So sind die Normen — mag man sie mit Plato und Schopenhauer dieIdeen, mit den Stoikern die Logoi, mit Kant das Apriori, mit Hegel dieStufen der Vernunftentwicklung nennen —, nichts als die Arten undFormen der Relativitäten selbst, die sich zwischen den Einzelheiten derWirklichkeit, sie gestaltend, entwickeln. Sie sind selbst nicht in dem-selben Sinn relativ, wie die ihnen Untertanen Einzelheiten, da sie derenRelativität selbst sind. Auf dieser Grundlage wird es verständlich, dafsdas Geld, als der abstrakte Vermögenswert, nichts anderes ausdrückt,als die Relativität der Dinge, die eben den Wert ausmacht, und dochzugleich als der ruhende Pol den ewigen Bewegungen, Schwankungen,Ausgleichungen derselben gegenübersteht. Insofern es das letztere nichttut, wirkt es eben nicht mehr seinem reinen Begriffe nach, sondern alsEinzelobjekt, das allen anderen koordiniert ist. Nur ganz mifsverständlichkönnte dagegen eingewandt werden, dafs in der Geldleihe und demWechselgeschäft doch Geld für Geld gekauft wird, und dafs es deshalb,trotzdem es hier in der Reinheit seines Begriffes verbleibt, sich die Rela-tivität der Einzelwerte aneignete, die es doch nicht haben, sondern nursein sollte. Dals das Geld die Wertrelation der unmittelbar wertvollenDinge untereinander ausdrückt, enthebt es freilich dieser Relation und