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Philosophie des Geldes / von Georg Simmel
Entstehung
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decken lassen, der allgemein überzeugend als ihre Einheit gälte. Den-noch kann der Psychophysiker nach den Änderungen der äulseren Be-wegungen, die als Reize unsere Sinnesapparate treffen, die relativenStärkeänderungen der bewufsten Empfindungen messen. Indem alsozwischen den Quanten des einen und denen des anderen Faktors einkonstantes Verhältnis besteht, bestimmen die Gröfsen des einendie relativen Gröfsen des anderen, ohne dafs irgend eine qualitative Be-ziehung oder Gleichheit zwischen ihnen zu existieren braucht. Damit istdas logische Prinzip durchbrochen, das die Fähigkeit des Geldes, Wertezu messen, von der Tatsache seines eigenen Wertes abhängig zu machenschien. Das ist freilich richtig: vergleichen kann man die Quanten ver-schiedener Objekte nur, wenn sie von einer und derselben Qualität sind;wo also das Messen nur durch unmittelbare Gleichung zwischenzwei Quanten geschehen kann, da setzt es Qualitätsgleichheit voraus.Wo aber eine Änderung, eine Differenz oder das Verhältnis je zweierQuanten gemessen werden soll, da genügt es, dafs die Proportionender messenden Substanzen sich in denen der gemessenen spiegeln, umdiese völlig zu bestimmen, ohne dafs zwischen den Substanzen selbstirgend eine Wesensgleichheit zu bestehen brauchte. Es lassen sich alsonicht zwei Dinge gleich setzen, die qualitativ verschieden sind, wohlaber zwei Proportionen zwischen je zw r ei qualitativ verschiedenenDingen. Die beiden Objekte m und n mögen in irgend einer Beziehungstehen, die aber absolut nicht die der Qualitätsgleichheit ist, so dafsunmittelbar keine von ihnen zum Mafsstab für die andere dienen kann;die zwischen ihnen bestehende Beziehung mag die der Ursache undWirkung, oder der Symbolik, oder des gemeinsamen Verhältnisses zueinem dritten oder was sonst sein. Es sei nun das Objekt a gegeben,von dem ich weifs, dafs es 1/4 m ist, es sei ferner das Objekt b ge-geben, von dem man nur weifs, dafs es irgend ein Teilquantum von nist. Wenn nun eine Beziehung zwischen a und b entsteht, welche derzwischen m und n entspricht, so folgt daraus, dafs b gleich 1/4 n seinmufs. Trotz aller Qualitätsungleichheit und Unmöglichkeit eines direktenVergleiches zwischen a und b ist es so doch möglich, die Quantität deseinen nach der des anderen zu bestimmen. So besteht z. B. zwischeneinem gewissen Quantum von Speisen und dem momentanen Nahrungs-bedürfnis, zu dessen völliger Stillung es ausreichen würde, gewifs keinGleichungsverhältnis; allein wenn so viel Speisen gegeben sind, dafsgerade die Hälfte jenes Bedürfnisses dadurch befriedigt wird, so kannich demnach unmittelbar bestimmen, dafs dieses verfügbare Quantumgleich der Hälfte jenes ersteren ist. Unter solchen Umständen genügt